Gudensberger Skelette jetzt im Naturkundemuseum Kassel

Schon lange besiedelt

Spektakulär: Katharina Zuschlag 2007 mit dem Kinder-Skelett aus der Jungsteinzeit, das jetzt im Kasseler Naturkundemuseum ausgestellt wird. Foto: ddd

Gudensberg. Wie lebten die ältesten hessischen Bauern und Viehzüchter, was aßen sie, wie bestatteten sie ihre Toten? Antworten auf solche Fragen gibt ein neuer Ausstellungsbereich im Naturkundemuseum Kassel. Dort werden archäologische Funde aus Gudensberg präsentiert, die 2007 bei der Erschließung eines Baugebietes entdeckt wurden.

Dr. Kai Füldner, Leiter des Naturkundemuseums, stellt heute mit dem Gudensberger Bürgermeister Frank Börner die neuen Informationen über die Menschen in der Jungsteinzeit vor. „Wir freuen uns natürlich sehr, dass die spektakulären Funde aus der Gemarkung Maden nun ihren Platz in diesem beeindruckenden Museum gefunden haben“, sagt Börner.

Über 1000 archäologische Objekte wurden vor der Bebauung sichergestellt. Sie zeigen, dass dort, wo nun ein modernes Wohngebiet entstanden ist und viele junge Familien leben, vor tausenden Jahren die ersten sesshaften Bauern 32 Langhäuser errichtet hatten. Diese waren fast 50 Meter lang, erbaut aus Holz und geflochtenen Lehmwänden und mit Stroh gedeckt.

Ausgestellt im Museum sind das gut erhaltene Skelett eines Kleinkindes und einer 20- bis 25-jährigen Frau. „Das Kind wurde in einer hockenden Stellung bestattet. Die Hände unter dem Kopf wirken wie eine liebevolle Bettung des Kindes“, so Dr. Füldner.

Bei den mehrmonatigen Ausgrabungen im Jahr 2007 unter der Leitung von Dr. Eberhard Kettlitz wurde auch das Grab eines Mannes entdeckt, dem Werkzeug beigelegt war. So lässt sich erkennen, dass schon vor 7000 Jahren die Menschen an ein Weiterleben nach dem Tode glaubten. Neben den Skeletten sind auch Keramikscherben ausgestellt, die mit bandförmigen Motiven verziert sind. Sie geben den Menschen dieser Epoche ihren Namen: Bandkeramiker. Die Bandkeramik ist die älteste Bauernkultur Mitteleuropas und dauerte etwa von 5500 bis 4900 v. Chr.

Während die Menschen vorher in Gruppen auf der Suche nach Nahrung und Schutz umherzogen, wurden sie nun sesshaft. „Offensichtlich fühlten sich die Menschen hier in unserer Region schon seit der Jungsteinzeit wohl“, so Bürgermeister Börner. Denn weitere Funde rund um Gudensberg zeigen, dass es eine durchgehende Besiedlung von der Jungsteinzeit bis heute gegeben hat. (ula)

• Jungsteinzeitliche Funde im Naturkundemuseum Ottoneum, Steinweg 2 in Kassel; • Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr, Mittwoch 10 bis 20 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr, Montag geschlossen. • Website: www.naturkundemuseum-kassel.de

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare