Junge schoss in der Schule mit einem Waffenimitat – Zehntklässler schritt ein

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Sah den Schüler mit der Waffe hantieren: Jan Erik Viehmann (16) nahm einem Jungen das täuschend echt aussehende Gewehr aus der Hand.

Schwalm-Eder. Einen gehörigen Schrecken jagte ein Junge in der vergangenen Woche seinen Mitschülern ein: Er war in der Carl-Bantzer-Schule in Ziegenhain mit einer täuschend echten Nachbildung einer Waffe aufgetaucht (wir berichteten).

Dabei handelte es sich um eine Softairwaffe, mit der der Junge Kunststoffkugeln auf Mitschüler geschossen hatte.

Die Waffe abgenommen hat ihm der 16-jährige Jan Erik Viehmann aus Frielendorf. Der Zehntklässler berichtete im Gespräch mit unserer Zeitung, dass sich alles noch vor Unterichtsbeginn ereignete. „Im zweiten Obergeschoss warteten Schüler vor ihren Klassenräumen auf ihre Lehrer. Als ich kam, sah ich den Schüler mit dieser Waffe rumhantieren und auf Schüler zielen.“ Unter den Jugendlichen sei sofort Unruhe aufgekommen, einige Mädchen hätten vor Schreck gekreischt. Relativ schnell sei ihm selbst aber klar gewesen, dass es sich bei der Waffe nicht um eine echte handelte. „Aber diese SoftairKugeln können ganz schön wehtun und Blutergüsse verursachen“, erläutert der 16-Jährige. Der jüngere Mitschüler habe auf die Beine von Mitschülern gezielt, auch auf Bauch und Kopf, erinnert er sich: „Ich habe nicht überlegt, ich habe sie ihm einfach abgenommen.“

Der Junge wollte dann die sogenannte Anscheinwaffe unbedingt zurück haben und versprach, sie auch sofort wegzupacken. Doch der Zehntklässler machte sich damit auf den Weg durchs Treppenhaus Richtung Sekretariat. „Ich hab auf dem Weg schon gemerkt, dass manche das Ding für echt hielten. Die waren ziemlich erschrocken.“

Im Sekretariat habe er sie auf den Tresen gelegt und erklärt, woher die Waffe stammte. Die Lehrerin, die er im Flur traf, habe angekündigt, dass sie die Eltern des Schülers anrufe und ihn abholen lasse. „Danke hat aber irgendwie keiner gesagt“, sagt Jan Erik Viehmann. Außer der Englischlehrer, der ihn lobte: „Das hast du richtig gemacht.“ (zsr)

Direktorin: Allgemeines Problem

Wir nehmen den Vorfall sehr ernst", sagte die Direktorin der Carl-Bantzer-Schule (Ziegenhain), Heidrun Elborg, auf Anfrage der HNA. Wegen der laufenden Ermittlungen der Polizei werde sie sich zu Einzelheiten später äußern.

Die Pädagogin betonte aber, dass es sich um ein allgemeines Problem an vielen Schulen handele. So sei ein ähnlicher Fall in einem Nachbarkreisteil erst kürzlich bekannt geworden. An ihrer Schule gebe es bereits seit Langem Präventionsarbeit dazu.

Die Polizei unterstrich, dass der Fall - ohne Nennung der betroffenen Schule - bekannt gegeben wurde, um auf das seit einem Jahr geltende Verbot aufmerksam zu machen: Das Führen solch täuschend echt ausehender Waffenimitate, im Fachjargon Anscheinwaffen, ist in der Öffentlichkeit strafrechtlich untersagt.

Um eine Stellungnahme der Familie des minderjährigen Kindes hat sich unsere Zeitung bewusst nicht bemüht, um die Identität des Schülers zu schützen. In HNA.de war anonym ein Kommentar aufgetaucht, in dem es hieß, die Softairwaffe habe nicht zum Haushalt gehört. (aqu)

Quelle: HNA

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