Tag des Handwerks

Schreiner in der sechsten Generation

In der Werkstatt: Bei Kirchhoff sind drei Facharbeiter beschäftigt. Frank Lengemann (links) arbeitet seit 28 Jahren im Unternehmen, das seit 2011 von André Kirchhoff geführt wird. Foto: C. Hartung

 Holz ist schon lange nicht mehr das einzige Material, das bei der Schreinerei Kirchhoff in Malsfeld auf dem Arbeitstisch liegt. Kunststoffe, Edelstahl, Stoffe und Glas machen heute 50 Prozent der Materialien aus, die in der Schreinerei verarbeitet werden.

„Meine Mitarbeiter freuen sich schon, wenn sie mit Holz arbeiten können“, erzählt Geschäftsinhaber André Kirchhoff. 157 Jahre gibt es die Schreinerei, der 37-Jährige führt sie in der sechsten Generation als Einzelunternehmen. Als 2011 sein Vater starb, übernahm er das Geschäft.

Drei Facharbeiter, einen Auszubildenden und eine Sekretärin beschäftigt Kirchhoff. Der älteste Geselle, Frank Lengemann, ist seit 28 Jahren im Unternehmen. Statt „aus der Garage“ zu arbeiten und nur Aufträge für Tische, Stühle und Fenster abzuarbeiten, bietet Kirchhoff mittlerweile ein Gesamtpaket für die Wohnraumgestaltung an. „Wir machen wirklich alles, was Schreiner machen können.“

Dazu gehört die Raumplanung, Bauabwicklung und schließlich die Fertigung der Möbel – alles individuell auf den Kunden abgestimmt, „Wohnraumkonzepte aus Schreinerhand“, lautet das Motto. „Es sind keine Möbel von der Stange.“ Erst neulich habe Kirchhoff ein ganzes Bad gebaut, innerhalb von zwei Wochen. Die meisten Kunden hat Kirchhoff in Melsungen. Privatkunden machen 80 Prozent aus.

„Das Schwierigste im Beruf ist es, den Nerv des Kunden auf Anhieb zu treffen“, sagt André Kirchhoff. Um dem Wunsch des Kunden möglichst gerecht zu werden, fährt der Schreinermeister zunächst für eine Bestandsaufnahme zur Wohnung oder zum Haus des Kunden. Dort analysiert er, wie der Kunde eingerichtet ist, um schließlich Vorschläge machen zu können, die gut zur restlichen Einrichtung passen. Am Computer entwickelt Kirchhoff Bilder der Möbel. Die Visualisierung sei eines der wichtigsten Instrumente. „Ich kaufe ja auch kein Auto, wenn ich es vorher nicht gesehen oder mal drin gesessen habe.“

André Kirchhoff selbst arbeitet seit etwa drei Jahren nicht mehr in der Werkstatt, sondern kümmert sich ausschließlich um Kundenaufträge, Planung und Verwaltung. „Ich will auch eine Fortbildung zum Wohn- und Lebensraumgestalter machen“, sagt der Vater eines zehnjährigen Sohnes.

Ein Glücksgriff

Ein Auszubildender arbeitet bei Kirchhoff, ein Glücksgriff: „Es kommt nur noch selten vor, dass man jemanden findet, der eine Leidenschaft zu dem Beruf entwickeln kann. Ich glaube, mit ihm haben wir so jemanden.“ Überhaupt einen Auszubildenden zu finden, sei enorm schwierig. „Aber ich kann auch verstehen, dass sich nur so wenige dafür bewerben“, sagt Kirchhoff. Schreiner zu sein bedeute, teils schwere körperliche Arbeit leisten zu müssen.

In zehn Jahren will Kirchhoff, dass sein Unternehmen noch stärker im Möbel- und Innenausbau vertreten ist. Um die Einrichtungsgegenstände noch erlebbarer zu machen, wie der 37-Jährige sagt, entsteht gegenüber von Büro und Werkstatt, in seinem Privathaus, gerade eine Ausstellungsfläche mit Wohnideen. 2018 soll sie eröffnet werden.

Quelle: HNA

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