Heinrich Riedemann arbeitet zum Jubiläum die Röhrenfurther Schulchronik auf

Schriften aus alten Zeiten

Stöbert gern in alten Schriften: Heinrich Riedemann aus Röhrenfurth beschäftigt sich zurzeit mit der Röhrenfurther Schulchronik. Foto: Ziemann

Röhrenfurth. Wenn Heinrich Riedemann in alten Schriften, Fotos und Landkarten stöbert, ist er in seinem Element. Die Wände seines Arbeitszimmers sind mit Luftaufnahmen und Karten aus vergangenen Zeiten gespickt. „Ich interessiere mich einfach für Geschichtliches“, sagt der 69-Jährige.

Zurzeit beschäftigt er sich mit der Röhrenfurther Schulchronik anlässlich des 275. Geburtstags der Grundschule am 12. Juli. Diese ist seit 1872 geführt worden. Die Vorarbeit dazu leistete Nachbar Heinrich Walter (heute 90 Jahre alt), der die Chronik in über 100 Stunden Arbeit aus dem Altdeutschen übertragen hatte. Riedemanns Aufgabe besteht darin, den übersetzten Text zu strukturieren, Überschriften zu finden und Passagen in Kapitel zu unterteilen.

„Diese Arbeit macht mir viel Spaß“, sagt der Rentner und blättert begeistert in der uralten Chronik, die zu zerfleddern droht. „Neben den Geschehnissen in der Vergangenheit hat mich die Ausdrucksform der Lehrer, die die Chronik verfasst haben, sehr fasziniert.“ Damit meint er zum Beispiel die Weihnachtsfeier 1898, von der Lehrer Ackermann in den Schriften berichtet: „Eine solche Feier ist wohl die beste Verwendung des 1. Weihnachtsabends, weil dadurch die Gemeinde davon abgehalten wird, schon an diesem Abend die Wirtshäuser zu besuchen“, heißt es dort.

Schon früher hat sich Riedemann, der in Mosheim aufgewachsen ist und als junger Erwachsener nach Röhrenfurth gezogen ist, für die Vergangenheit seiner Heimat interessiert. „Ich habe zum Beispiel bei der 800-Jahrfeier von Röhrenfurth mitgearbeitet und schon mehrere Diavorträge gehalten.“ Dias hat der Bankkaufmann viele. Über 10 000 Stück hat ihm sein Schwiegervater hinterlassen.

Dass die Röhrenfurther Schulchronik überhaupt noch existiert, ist purer Zufall. Denn nach dem Krieg wurde sie von den Amerikanern beschlagnahmt, „aber 1951 ohne Kommentar wieder zurückgegeben“, sagt Riedemann. Die Chronik von seinem Heimatort Mosheim ist zum Beispiel nie aufgefunden worden.

Durch einen Erlass der Königlich Preußischen Regierung aus dem Jahre 1872 wurde die Führung einer Chronik jeder Schule zur Pflicht gemacht. Auch die Ereignisse vor dem Jahr 1872 sollten mit aufgenommen werden. Die Röhrenfurther Schulchronik ist komplett erhalten geblieben.

Aus dieser Schrift hat Heinrich Riedemann kuriose, interessante und witzige Passagen über die Schule und Röhrenfurth allgemein für unsere Rubrik „Wussten Sie schon...?“ herausgeschrieben. Diese Sätze erscheinen in unregelmäßiger Reihenfolge in unserer Zeitung. Hintergrund

Von Theresa Ziemann

Quelle: HNA

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