FDP-Mitglieder äußern sich zur Personaldebatte um Westerwelle auf Bundesebene

Der Schritt musste kommen

Manfred Ripke

Schwalm-Eder. Außenminister Guido Westerwelle wird beim nächsten Parteitag den FDP-Vorsitz abgeben, um einen Generationswechsel zu ermöglichen. Was FDP-Mitglieder aus dem Schwalm-Eder-Kreis von diesem Schritt halten, wer sein Nachfolger werden könnte und ob Westerwelle als Außenminister noch tragbar ist, erklärten sie gegenüber der HNA.

Als „unausweichlichen Schritt“ bezeichnet Erwin Döhne, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP Morschen, Westerwelles Entscheidung. Dieser würde seine eigenen Stammwähler nicht mehr erreichen. „Wenn ein Fußballbundesligist abstiegsbedroht ist, muss der Trainer auch gewechselt werden – selbst, wenn er gut ist“, meint Döhne.

Deshalb glaubt Döhne auch nicht, dass Guido Westerwelle seinen Posten als Außenminister halten kann. Retten könne ihn nur die Kanzlerin mit einem klaren Vertrauensausspruch. Als Nachfolger für den Parteivorsitz wünscht er sich Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Westerwelle solle über einen Rücktritt, auch als Außenminister, nachdenken, findet der Felsberger FDP-Stadtverordnete Werner Rippel. „Er hat als Außenminister etwas viel Innenpolitik gemacht.“ Die an sich gute Entscheidung, keine Soldaten nach Libyen zu schicken, habe Westerwelle zum Beispiel nicht gut verkauft.

Der Rücktritt sei unvermeidbar gewesen, sagt Kai Knöpper, FDP-Bürgermeister von Neuental. Scharf kritisiert Knöpper die Angriffe auf Westerwelle. „Statt der Angriffe unter die Gürtellinie hätte man mit einem offenen Wort mehr erreichen können.“ Denn die Schuld könne nicht alleine dem Vorsitzenden zugeschoben werden.

Als überhastet wertet Manfred Ripke, FDP-Fraktionssprecher in der Stadtverordnetenversammlung in Homberg, die Entscheidung Westerwelles. Besser hätte er es gefunden, bis zum Parteitag zu warten. Vor allem hätte die Nachfolgefrage geklärt werden müssen. Zweifel hegt Ripke, ob Gesundheitsminister Philipp Rössler der richtige an der Parteispitze sei. Seiner Ansicht nach sollte ein erfahrener Mann die Parteiführung übernehmen. Denn die jungen Hoffnungsträger seien zwar qualifiziert. doch zweifele er an deren Führungsqualitäten.

Die Querelen der Koalition hätten sich in den Ergebnissen der Kommunalwahl niedergeschlagen, sagt Holger Ritte-Mander, Fritzlarer FDP-Mitglied und bis vor der Wahl Mitglied des Magistrats. Die zerfahrene Außendarstellung der Bundes-FDP habe die Arbeit auf kommunaler Ebene überlagert. Westerwelles Entscheidung, den Parteivorsitz abzugeben, sei richtig gewesen. „Nach dem Parteitag muss Ruhe einkehren“, sagt Ritte-Mander.

Renate Schütz, FDP-Fraktionsvorsitzende in Wabern, bevorzugt FDP-Generalsekretät Christian Lindner als neuen Parteivorsitzenden. „Es war richtig von Guido Westerwelle, jetzt Konsequenzen zu ziehen.“

In der öffentlichen Wahrnehmung hätte er ohnhin nur alles falsch machen können. Bis zuletzt habe er die Medien provoziert. Zu sagen: „Ihr bekommt mich nicht klein“, war ein Fehler. Der neue Parteivorsitzende müsse den Kontakt zur Basis ausbauen. „Und er muss besser auf die Menschen hören, die mit Herzblut und ehrenamtlich ihre Arbeit in der Kommunalpolitik machen“, sagt Schütz. Man brauche eine bessere Balance.

Wiebke Reich, die der FDP-Kreistagsfraktion sowie dem FDP-Landesvorstand angehört, fordert weitere Konsequenzen, nicht nur für Guido Westerwelle, sondern auch für die FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Birgit Homburger, sowie Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Insgesamt erscheint ihr der Rücktritt Westerwelles „defintiv zu spät“.

Aus unseren Redaktionen

Quelle: HNA

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