Schüler erforscht Europa

Wabern. Eine Schlägerei, einen Handyklau und ein verzweifeltes Pärchen auf der Suche nach einem Drogenpäckchen. Yannick Mangold aus Wabern hat auf seiner Europareise allerhand erlebt und dabei auch noch geforscht.

„Mich hat schon immer das Fernweh geplagt“, sagt der 18-jährige König-Heinrich-Schüler. Schon sein Vater war mit dem Interrail-Europaticket der Bahn auf Tour gewesen. Yannick kam auf die Idee, nach einem Stipendium zu suchen und wurde fündig bei der Schwarzkopfstiftung und der Deutschen Bahn. Der Waberner musste einen Entwurf zu einem europäischen Thema und eine Fahrroute einreichen. „Die wollten nicht, dass das eine Partyreise sind“, erläutert Yannick.

Er gab sich selber die Frage auf, sich das Nationalbewusstsein in der Europäischen Union gewandelt hat. Das Thema gefiel, die Fahrkarte wurde bezahlt, und Yannick ging auf große Tour. In Amsterdam war das Handy plötzlich weg, wahrscheinlich geklaut, vermutet der Europareisende. Suche nach dem Päckchen In Brüssel traf er dann auf das panische amerikanische Paar, das verzweifelt ein Päckchen suchte, in dem – so erfuhr Yannick – nicht nur ein teures Mobiltelefon, sondern auch Drogen aus Holland gewesen sein sollten. Und in Paris unter dem Eiffelturm gab es eine Razzia unter Straßenhändlern, die in einer Keilerei mit Flaschen, Pfefferspray und Polizeieinsatz endete. Und trotz der Abenteuer hat Yannick Mangold seinen Forschungsauftrag nicht aus den Augen verloren. In jedem Land befragte er auf der Straße fünf Frauen und fünf Männer über ihre Einstellungen zu Europa und zu ihrer Nation. Sein Fazit: Jeder Zweite sieht sich nicht nur als seiner Nation zugehörig, sondern auch als Europäer. Und ungefähr jeder Zehnte sieht sich in erster Linie als Bürger Europas oder gar der Welt. Positiv bewertet wurde von vielen Befragten die Gemeinschaftswährung und die Reisefreiheit in der Union.

Das Nationalbewusstsein ist nach Yannicks Erkenntnissen immer noch stark verankert, verliert aber an Bedeutung. Wer sagt: „Ich bin Deutscher“ verbinde mit dieser Aussage vor allem ein Bekenntnis zur Kultur und Geschichte seines Landes, manchmal auch in einem abgrenzenden Sinn Bekenntnis zu den Werten Wer sagt: „Ich bin Europäer“ bekenne sich damit vor allem zu gemeinsamen Werten wie Gleichheit, Freiheit und Toleranz. Mit diesem Resultat ist der Waberner zufrieden: „Das hat meine Hoffnung bestätigt.“ Am schönsten war der Kontakt mit anderen Kulturen, die Gespräche mit vielen Menschen. Yannick will Kontakt halten, zum Beispiel zu zwei Briten, die er bald besuchen will. Und er will für ein Jahr ganz auf die britischen Inseln gehen und in England sein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Die Route: Amsterdam, Brüssel, London, Paris, Lausanne, Trento (Italien) Salzburg, Prag, Berlin.

Quelle: HNA

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