Rezeptsammlung von Schülern und Senioren

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Zusammen am Herd: Inge Sztykowski, Michelle Noack, Marianne Schmidt, Tim Sinning, Tanja Hohlbaum und Sabrina Freistein (von links) kochten mit Georg Martin und Ilse Less (sitzend) alte Gerichte nach und erstellten daraus ein Kochbuch.

Homberg. An einige Gerichte mussten sich die Schüler der Homberger Erich-Kästner-Schule (EKS) erst gewöhnen. „Den Milchreis-Auflauf mit Eischnee und Apfelkompott mochte ich überhaupt nicht“, sagt Tim Sinning.

Gemeinsam mit fünf Mitschülerinnen besuchte der Neuntklässler im vergangenen Schuljahr freiwillig einen Kochkurs - im Altenpflegeheim St. Marien.

Die Kooperation von EKS und Altenheim bestehe schon seit drei Jahren, sagt Schulleiterin Marion Temme. In gemeinsamen Projekten sollen Schüler so an soziale Berufe herangeführt werden.

Im vergangenen Schuljahr organsierten Temme und Bozana Perek, die Heim- und Pflegedienstleiterin, einen besonderen Wahlkurs: Die EKS-Schüler lernten von den Bewohnern des Altenheims das Kochen und dokumentierten im Gegenzug alte Rezepte.

„Das war anfangs gar nicht so einfach“, erinnert sich Pflegehilfskraft Inge Sztykowski, die das Projekt im Altenheim betreute. Für die Schüler war der Umgang mit den teilweise dementen Menschen schwierig. „Sie mussten sich erst auf die alten Leute einstellen“, sagte Ulrich Gallenkamp, Leiter des beteiligten Betreuungsbereichs.

Die Bewohner des Altenheims freuten sich zwar über den Besuch der jungen Leute, hatten aber nicht jede Woche Lust zu kochen. Zudem musste der wöchentliche Termin in die unterschiedlichen Tagesabläufe von Schule und Altenheim integriert werden.

Doch nach einer Eingewöhnungsphase wurde es besser. Beim Schnippeln und Schälen in der großen Wohnküche sei man sich näher gekommen, berichtete Tim. „Die alten Leute haben viel von früher erzählt. Dabei haben wir außer Kochen noch viele andere Dinge gelernt.“

Für Neuntklässlerin Lisa Drössler eröffnete das Projekt neue berufliche Perspektiven: „Ich hätte nie gedacht, dass die Arbeit mit alten Leuten so viel Spaß macht.“ Auch die Bewohner von St. Marien hätten von dem ungewöhnlichen Kochkurs profitiert, sagt Gallenkamp. „Das war sehr gut fürs Selbstbewusstsein.“ Schließlich seien die Heimbewohner in eine Aufgabe einbezogen worden, die sie an früher erinnere und die sie immer noch gut bewältigen konnten. Kartoffeln mit Grüner Soße, Kaiserschmarrn, Kassler mit Kraut, das sind nur drei der 35 alten Rezepte, die die jungen und alten Köche sammelten und zubereiteten.

Die handgeschriebenen Kochbücher sollen beim Tag der offenen Tür in der EKS und beim Weihnachtsmarkt von St. Marien verkauft werden.

Im nächsten Schuljahr werden die Schüler zu Lehrern: Marion Temme und Bozana Perek planen einen Computerkurs für die Heimbewohner.

Quelle: HNA

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