Projekt der WFS-Förderschule

Schüler betreuten einen Computersäugling

+
Baby, was nun? An diesem Projekt beteiligten sich (von links) Annika, Selina, Chantal, Dennis, Sebastian, Francis, Marlen, Pädagogin Conny Rosam und Nils (Klasse 10) von der Wilhelm-Filchner-Förderschule in Wolfhagen.

Wolfhagen. Der 16-jährigen Francis sieht man die Übermüdung an. Ihr „Baby“ hat sie die ganze Nacht über auf Trab gehalten. „Mindestens sieben Mal bin ich von der Kleinen heute Nacht geweckt worden, musste sie füttern, trocken legen und beruhigen. Und in den beiden Nächten zuvor war es ähnlich.“

Wie Francis erging es auch ihren Klassenkameraden Annika, Selina, Chantal, Marlen, Dennis, Sebastian sowie Nils. Alles Schüler der Klasse 10 der Wolfhager Förderschule. Sie nahmen freiwillig an einem ungewöhnlichen Projekt des Kasseler Arbeitskreises Gemeindenahe Gesundheitsversorgung teil, das unter dem Motto stand „Baby, was nun?“ Nach dem Vormittagsunterricht bekam jeder zur Betreuung sein Baby mit nach Hause. Natürlich kein echtes, sondern eine Babypuppe. Der Säuglingssimulator war von den Arbeitskreis-Mitarbeiterinnen so programmiert, dass sich das Kind zu Zeiten und in Abständen meldete, die Mutter und Vater vorher nicht bekannt waren. Nicht nur in der Nacht, sondern auch nachmittags nach dem Unterricht beim Einkaufen, Spazieren gehen und wenn sie mit Freunden unterwegs waren. Die Eltern mussten sich bei ihrem Baby als Mutter oder Vater immer mit einem Chip zu erkennen geben.

Chantal: „Für meine Besorgungen am Nachmittag hatte ich mir einen Kinderwagen organisiert. Wenn sich mein Baby meldete und ich es versorgen wollte, bin ich von den Leuten wie ein Mensch von einem anderen Stern bestaunt worden. So zum Beispiel in einem Supermarkt.“

Noch kein Thema: Francis (16) kümmerte sich um ihre Babypuppe. Sie weiß nun, für wirkliches Kind ist es zu früh

Das Baby-Präventionsprojekt drehte sich aber nicht nur um die Betreuung eines Kleinkindes. Es beinhaltete zudem die Themen Berufs- und Lebenswegplanung, verantwortliche Eltern- und Partnerschaft, Verhütung, Stress und häusliche Gewalt. Arbeitskreis-Mitarbeiterin Nancy Schmidt: „Es handelt sich um ein praxisbezogenes Projekt, das den Fokus auf die Lebenswirklichkeiten und Zukunftsfantasien der Jugendlichen richtet.“ Die Jugend sei eine Zeit der Veränderungen, der Auseinandersetzungen und des allmählichen Erwaschsen-Werdens. Die Gedanken der Jugendlichen drehten sich vornehmlich um sich selbst und den eigenen Platz in dieser Welt. Dabei seien sie unsicher, häufig orientierungslos, empfindlich und verletzbar. Das Jugendalter sei gekennzeichnet von Experimenten, es sei die Zeit des Ausprobierens, des Suchens und des Fragens.

Nancy Schmidt: „All diese Facetten des Jugendalters müssen berücksichtigt werden, wenn man die Bedeutung verstehen will, die das Ereignis Mutter- und Vaterschaft im Jugendalter hat.“ Eines stand bei allen acht jugendlichen Eltern fest: Nur jetzt kein Kind bekommen, dafür muss ich noch reifer und verantwortungsvoller werden. (zih)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare