Laut Unicef-Studie sind deutsche Kinder und Jungendliche unzufrieden 

Schülerin Svenja Ebert im Interview über Zufriedenheit von Jugendlichen

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Klare Ziele: Svenja Ebert aus Großropperhausen möchte Journalistin werden und ist mit ihrem Leben ziemlich zufrieden.

Deutschen Kindern und Jugendlichen geht es objektiv gut, sie sind aber vergleichsweise unzufrieden. Das hat eine Unicef-Studie ergeben. Wir sprachen mit der 18-jährigen Svenja Ebert, die bald ihr Abitur ablegt.

Hallo Svenja, wie geht es Dir?

Svenja Ebert: Gut.

Meistens ist die Frage eine Floskel, aber eine Unicef-Studie hat ergeben, dass deutsche Jugendliche unzufriedener sind als die in anderen Ländern. Was, denkst Du, braucht man zur Zufriedenheit?

Svenja: Ich glaube, da spielen ganz verschiedene Dinge eine Rolle; zum Beispiel die Freunde und die Familie, die einem Rückhalt geben, aber auch, dass man Spaß im Leben hat.

Laut der Studie geht es den Jugendlichen objektiv besser, wie an mehreren Faktoren festgemacht wird. Zum Beispiel materielle Zufriedenheit: Darf ich Dich fragen, wie viel Taschengeld Du bekommst?

Svenja: Ja, 30 Euro im Monat, ich bekomme aber vieles von der Familie bezahlt. Das Taschengeld nehme ich zum Beispiel, wenn ich mir mal eine Zeitung kaufe.

Reicht das aus?

Svenja: Ja, das reicht locker.

Bildung ist ein wichtiger Faktor. Wie gut ist Deine Schule?

Svenja: Ich mag meine Schule und bin zufrieden. Mit dem Abi ist auch alles gut gelaufen.

30 Prozent der Jugendlichen haben Mobbing schon am eigenen Leib erfahren. Kennst Du solche Fälle aus Deiner Umgebung?

Svenja: Ich habe das noch nicht mitbekommen, aber klar, so etwas gibt es immer. In der Kindheit, vielleicht so in der 8. Klasse, entstehen neue Cliquen und Gruppen, da werden andere ausgeschlossen. Ich weiß aber nicht, ob man das als Mobbing bezeichnen kann.

Eine Bedeutung spielt auch die Umgebung. Würdest Du deine Gleichaltrigen im Durchschnitt eher als freundlich oder als unfreundlich charakterisieren?

Svenja: Eher freundlich. Das merkt man jetzt ganz deutlich, wo die Schulzeit auf ihr Ende zugeht. Man lernt die anderen noch mehr zu schätzen und wird schon ganz sentimental, weil es bald rum ist.

Was denkst Du, warum so viele trotz der positiven Umstände unzufrieden sind?

Svenja: Ein Problem in der Schule ist, dass es immer stressiger wird, durch G8 zum Beispiel. Die Kinder haben kaum noch Zeit für ihre Hobbys und fühlen sich unter Druck gesetzt. Generell wird in unserer Gesellschaft immer mehr nach Leistung bewertet.

Vielleicht gibt es auch eine Unsicherheit mit Blick in die Zukunft. Wie wird es für Dich nach dem Abitur weitergehen?

Svenja: Ich möchte Kommunikationswissenschaften und Geschichte studieren, weil ich gerne Journalistin werden möchte. Natürlich bin ich auch manchmal ein bisschen ängstlich, weil man ja nicht weiß, ob es mit einer festen Anstellung klappt, gerade auch im Journalismus. Ich bin aber doch optimistisch.

In der Studie sollten die Jugendlichen auf einer Skala von eins bis zehn ihre Zufriedenheit angeben, wobei zehn der beste Wert war. Wie würdest Du deine eigene Zufriedenheit einschätzen?

Svenja: Zehn ist utopisch, denn perfekt glücklich kann man nie sein. Ich würde acht sagen, denn ich bin schon zufrieden.

Hast Du einen Tipp, wie andere zufriedener werden könnten?

Svenja: Es zählt auf jeden Fall der Rückhalt in der Familie. Und man sollte versuchen, seine Träume wirklich umzusetzen und den ersten Schritt zu wagen. Vielleicht ist das aber leichter gesagt als getan.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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