Ursula Muth geht nach 40 Jahren Schuldienst in die Altersteilzeit

Den Schülern ein Heimatgefühl gegeben

Gesammelte Werke aus 40 Jahren Schuldienst: Ursula Muth vor ihrer imposanten Bücherwand in ihrem Arbeitszimmer. Foto: Spanel

Wolfhagen. Betritt man Ursula Muths lichtdurchflutetes Arbeitszimmer, bleibt man unweigerlich fasziniert vor ihrem „Schatz“ stehen: Bände zur Didaktik der Mathematik, Lehrbücher und Referenzwerke stehen hier in langen Reihen nebeneinander.

„Was konnte ich darin all die Jahre schwelgen“, sagt die studierte Haupt- und Realschullehrerin und zieht vorsichtig ein selbst konzipiertes Schulbuch aus dem Regal. Über 40 Jahre im Schuldienst, die sie bis zu ihrem Eintritt in die passive Altersteilzeit Ende Januar mit nur wenigen Unterbrechungen an der Wolfhager Wilhelm-Filchner-Schule verbracht hat, haben Ursula Muth geprägt.

Zwei Jahre nach ihrem ersten Staatsexamen 1973 an der Justus-Liebig-Universität in Gießen beginnt sie in Wolfhagen Mathematik und Biologie zu unterrichten. Die Wilhelm-Filchner-Schule war damals mit über 3000 Schülern eine der größten integrierten Gesamtschulen Hessens. „Der Unterricht lief mehrheitlich in Kursen ab – das störte mich schon damals“, erinnert sich die 61-Jährige. „Deshalb begann ich, fachfremden Unterricht im Klassenverband anzubieten, um den Schülern ein Heimatgefühl zu geben.“

Kirche und Schule

Die Kinder ihrer Klasse bildete sie nun an Blechblasinstrumenten aus und bescherte der Posaunenchorarbeit der evangelischen Kirchengemeinde im gleichen Atemzug einen Aufschwung. „Die Vernetzung von Schule, Kirche und Stadt war mir in all den Jahren eine Herzensangelegenheit“, sagt Ursula Muth. In einer kleinen Stadt wie Wolfhagen kenne man sich untereinander: „Die ständige Kommunikation, das gegenseitige Aushelfen – darauf kommt es an.“

Doch sei die Zeit im Dienst der WFS nicht immer eine leichte für die Pädagogin gewesen. Zeitweise habe sie sich zwischen Schulpflichten, der Erziehung ihrer zwei Kinder und Kirchenengagement auch ausgebrannt gefühlt. Als „Rettung“ bezeichnet sie im Nachhinein ihre Berufung als Fachberaterin für Mathematik und Fortbildnerin bei einer landesweiten Initiative zur Entwicklung des Unterrichts in Mathematik und Naturwissenschaften. Als Setleiterin war sie nun für die Fortbildung von Fachkollegien verantwortlich. „Die Mathematik weg von dem angestaubten Image, hin zum gelebten Alltag der Schüler zu führen, hat mich glücklich gemacht“, sagt Ursula Muth.

Kein Ruhestand in Sicht

Seit ihrem Abschied von der Schule habe sie noch keine Sekunde Langeweile gehabt, sagt die 61-Jährige. Im Moment engagiert sie sich als Vorsitzende des Kirchenvorstandes unter anderem für die Flüchtlinge in der Pommernanlage. Ihr Mann, den sie im Schuldienst kennen gelernt hat, habe zum Glück Verständnis. „Einen Traum habe ich noch: Ich möchte tagsüber Zeit zum Lesen haben“, sagt Ursula Muth.

Von Emily Spanel

Quelle: HNA

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