In gesiebter Luft: Ausstellung in Ziegenhain beschäftigt sich mit Gefängnis-Geschichten

Schuld, Strafe, Sehnsucht

Haben die Ausstellung in der katholischen Kirche Ziegenhain aufgebaut: Die beiden Seelsorger der JVA Peter Kittel (links) und Michael Kullinat bieten auch Führungen an. Foto: Rose

schwalmstadt. Der Täter ist gefasst, der Krimi ist aus. Unsere Geschichte fängt an: Diese Zeilen zieren das Plakat einer Ausstellung, die ab Sonntag in der katholischen Kirche in Ziegenhain zu sehen ist. Der Titel: „In gesiebter Luft.“ Die Ausstellung erzählt Gefängnis-Geschichten. Von Schuld, der Strafe, dem Leben danach.

In die Schwalm geholt hat sie der katholische Seelsorger der JVA Michael Kullinat. Erstmals zu sehen waren die Aufsteller 2010 in Kassel. Seitdem ist die Ausstellung auf Reisen, zuletzt war sie in Hamburg zu sehen. Die großformatigen Tafeln, die als Rundgang konzipiert sind, erzählen Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven. Von einer Straftat betroffen, aber auch getroffen sein verdeutlicht, welche Verletzungen – physisch oder psychisch – bei Opfern zurück bleiben. Über Einsamkeit und Knechtschaft ist zu lesen – Grundsätze, für den von Reformern in den USA und Großbritannien entwickelten Strafvollzug in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Aufgegriffen wird in der Ausstellung auch die Frage: „Strafe muss sein! Muss Strafe sein?“ Dass der Glaube gleichwohl auch hinter Gittern eine Rolle spielen kann, beweisen Statistiken. Da erfährt man, dass die Bibel das meist gelesene Buch ist. Doch was beschäftigt Inhaftierte, die langjährige Haftstrafen verbüßen? Diesen Fragen sind die Macher sensibel nachgegangen.

Lebenslauf und Lebenslüge

Von der Zugangsstation über die Knastsprache – in der die Bediensteten schlicht „Schließer“ genannt werden – bis zur getakteten Tagesstruktur, den Möglichkeiten in Sport und Freizeit. „Dieser Kreislauf ist die einzige Möglichkeit, den Himmel unvergittert zu sehen“ erzählt vom Hofgang. Und von Sehnsucht. Schlussendlich steht den meisten der Entlassungstag bevor: „Heiß ersehnt. Aber auch gefürchtet“, bestätigen die Seelsorger Michael Kullinat und Peter Kittel. Da tauchten bange Fragen auf. Gibt es überhaupt noch Menschen, die auf mich warten? Und wie gehe ich mit dem Lebenslauf um? Oder Lebenslügen? „Je länger Menschen eine Strafe verbüßen müssen, umso mehr verpassen sie vom Leben draußen“, sagt Kullinat. Problematisch sei, dass aus Haftanstalten immer nur dann Bilder transportiert würden, wenn etwas passiert ist. „Menschen sollten die Möglichkeit haben, sich ein anderes Bild zu machen“, sagen die Seelsorger. „Um erfahren zu können, was in Inhaftierten und in den Anstalten vor sich geht.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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