Mann ist schuldunfähig

52-jähriger Melsunger, der seine Mutter töten wollte, bleibt in Psychiatrie

Kassel. In diesem Verfahren vor dem Landgericht Kassel konnte es nicht um Strafe, sondern nur um Hilfe gehen, denn der Beschuldigte ist ein schwer kranker Mann.

Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung im Zustand der Schuld- und Steuerungsunfähigkeit hat die 6. Strafkammer des Landgerichts einen 52-jährigen Mann aus Melsungen ins psychiatrische Krankenhaus von Haina eingewiesen.

Dort sitzt der Mann allerdings schon seit der Vorweihnachtszeit, nachdem er - inneren Stimmen folgend - versucht hatte, seine 76 Jahre alte Mutter zu töten.

Richter Volker Mütze schilderte am Mittwoch in seiner Urteilsbegründung noch einmal das tragische Geschehen in der gemeinsamen Melsunger Wohnung. Dort hatte der Vater am 19. Dezember nachmittags die Wohnung zum täglichen Spaziergang mit dem Hund verlassen und dem Sohn wie immer aufgetragen, sich um die behinderte, im Rollstuhl sitzende Mutter zu kümmern.

Der Sohn leidet seit 1985 unter paranoider, haluzinogener Schizophrenie. Die stets hilfsbedürftige Mutter „ging ihm auf die Nerven“, innere Stimmen befahlen ihm schon seit Wochen, die Mutter zu töten.

Als der Vater weg war, rollte er die Mutter an die Kellertreppe und kippte sie hinunter. Später gestand er mehrfach, auch noch auf sie eingetreten zu haben, weil die schwer verletzte alte Frau noch lebte. Ob es diese Tritte wirklich gab, konnte das Gericht nicht abschließend klären, Spuren gab es keine. Immerhin habe die innere Stimme ihn gelobt, als er den Auftrag ausführte, erzählte der 52-Jährige. „Gut gemacht“, habe sie zu ihm gesagt.

Die Krankheit, so Richter Mütze, habe den Beschuldigten nicht ständig im Griff, sie komme in Wellen, akute Schübe wechselten mit relativ klaren Momenten ab. Deshalb sei sich der Mann in wachen Zeiten auch seiner Krankheit bewusst und habe selbst in die Psychiatrie gewollte. Nach dem missglückten Tötungsversuch hatte er deshalb die Polizei angerufen.

Er sei nicht fähig, Mitgefühl für andere zu entwickeln, ob da seine schwer verletzte Mutter oder eine zerbrochene Kaffeetasse auf den Kellerstufen gelegen habe, sei für ihn von gleicher emotionaler Bedeutung, hatte eine Psychiaterin in ihrem Gutachten festgestellt.

Weil aber auch in Zukunft Gewaltausbrüche nicht auszuschließen seien, stelle der Mann für sich und die Allgemeinheit eine Gefahr dar. Richter Mütze: „Sein Handeln ist nicht aufbestimmte Personen fixiert. Es hätte jeden treffen können.“

Deshalb sei eine Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie in Haina unumgänglich. Dort wird künftig jährlich geprüft und neu entschieden, ob Lockerungen möglich sind.

Pflichtverteidiger Ullrich Goetjes (Spangenberg) bewertete die Entscheidung des Gerichts als im Tenor richtig. Dagegen Revision einzulegen mache eher wenig Sinn.

Quelle: HNA

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