Schule in Bad Emstal schwört auf Selbstorganisiertes Lernen

Punktekonto gibt Orientierung: Jennifer Tag (links) und Carolin Werner sind Schülerinnen an der Christine-Brückner-Schule in Bad Emstal. Gemeinsam arbeiten sie sich im Physik-Unterricht in das Thema Lichtbrechung ein. Einem Konto können sie entnehmen, wie viele Punkte sie für die Erfüllung bestimmter Aufgaben bekommen. Fotos: Thon

Bad Emstal. Schulleiter Wolfgang Engelmeyer ist vom Konzept überzeugt: Vor fünf Jahren hat die Christine-Brückner-Schule in Bad Emstal begonnen, Schüler nach der Methode des Selbstorganisierten Lernens (SOL) zu unterrichten.

Mehr Transparenz bei der Notenvergabe, bessere Lernkontrolle, höhere Motivation, mehr Verantwortung bei den Schülern und unterm Strich bessere Erfolge beim Lernen - das sind die Pluspunkte, die der Direktor herausstreicht. Inzwischen ist die Zahl der SOL-Lehrer an der Gesamtschule gewachsen.

Von 37 Pädagogen haben sechs das Zertifikat des SOL-Instituts in Ulm in der Tasche, zwei weitere lassen sich von ihren Kolleginnen Tanja Paul und Dr. Kertsin Most ausbilden. Die beiden Lehrerinnen sind Multiplikatorinnen und vermitteln das Konzept. Aber auch Lehrer ohne Zertifikat integrieren Elemente der Methode in ihren Unterricht.

Die Schüler würden in vielerlei Hinsicht profitieren, sagt Most. Sie könnten ihr Arbeitsverhalten selbst planen, Verbindungen zu vorhandenem Wissen herstellen und für sich entscheiden, welche Aufgaben sie bearbeiten. Zudem sei es für sie von Vorteil, dass sie bereits im Vorfeld wüssten, was im Unterricht behandelt wird und wie einzelne Leistungen bewertet werden. „Ein besonderes Augenmerk liegt beim Lernen auf dem sozialen Aspekt“, sagt die 39-Jährige. Schüler können sich zu Gruppen zusammentun, Stärkere unterstützen Schwächere, aber auch der Rückzug in einen ruhigen Raum sind möglich. Die Lernenden können sich an einem Punktekonto orientieren und wissen genau, an welcher Stelle sie aktiv werden müssen.

Kollegin Tanja Paul schwört auf das Selbstorganisierte Lernen, das für Lehrer zunächst einen Mehraufwand bedeutet. Unter Umständen müsse man am Wochenende ein Themengebiet vorbereiten und abgestimmt auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der Schüler strukturieren, sagt die 42-Jährige. Diese punktuell höhere Arbeitsintensität führe aber an anderer Stelle zu zeitlichen Entlastungen, ergänzt Most. Paul nennt es einen Paradigmenwechsel, der mit der Methode des Selbstorganisierten Lernens Einzug hält in die Schule. Auch wenn der Lehrer nach wie vor Inputs, Erläuterungen und Lernhilfen gebe - mit Frontalunterricht habe das nichts mehr zu tun. Paul und ihre Kollegen verstehen sich eher als Lern-Coach, die die Kinder und Jugendlichen auf Augenhöhe unterstützen auf ihrem Weg zu mehr Selbstständigkeit - einer Fähigkeit, die insbesondere auf Berufsschulen sehr gefragt ist.

An der Christine-Brückner-Schule soll sich die Lernform in den immer stärker ausbreiten. Ziel sei es, vom SOL-Institut als Modellschule anerkannt zu werden.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare