Jeder in seinem Tempo

Lernen nach Maß: So funktioniert der Unterricht in einer Inklusionsklasse

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Sie helfen sich gegenseitig: von links Lea Lange, Cora Salzmann, Nils Werner und Marie Ranft bei der Gruppenarbeit im Mathe-Unterricht.

Felsberg. Eines fällt sofort auf, wenn man die Inklusionsklasse an der Felsberger Drei-Burgen-Schule betritt: Es sind vergleichsweise wenig Schüler und dafür viele Erwachsene im Raum.

Die 14 Fünftklässler werden in dieser Stunde nicht nur von ihrem Mathematiklehrer Dirk Wetekam betreut, sondern zusätzlich von einem zweiten Lehrer, einer Assistenzkraft und einer Praktikantin.

Die intensive Betreuung ist notwendig, weil vier der 14 Kinder einen erhöhten Förderbedarf haben: "Sie brauchen mehr Zeit zum Lernen, können nicht so viel auf einmal lernen wie ihre Mitschüler", erklärt Klassenlehrerin Magdalena Kerste. Die Voraussetzungen der Kinder sind ganz unterschiedlich: Es sei zum Beispiel ein Junge dabei, der kaum lesen könne. Ein anderer Inklusionsschüler habe zwar keine Lernschwierigkeiten, könne aber schlecht mit Konflikten umgehen, schildert Kerste. Um individuell auf die Schüler eingehen zu können, brauche man eben mehr Personal. "Aber nicht nur die Inklusionskinder brauchen viel Aufmerksamkeit", betont Kerste.

Heute steht eine Mathe-Übungsstunde auf dem Plan: Dazu wird die ohnehin schon sehr kleine Klasse in zwei Gruppen unterteilt, die sich in getrennte Räume setzen und Aufgaben lösen. Auch die Betreuer verteilen sich auf die beiden Räume und unterstützen die Jungen und Mädchen, wenn es nötig ist.

Bei den Kindern kommt das Unterrichtskonzept gut an: "Mir gefällt, dass wir die Möglichkeit haben, zusammenzuarbeiten", sagt die 10-jährige Lea Lange. Ihre gleichaltrige Klassenkameradin Juliane Siebert ergänzt: "Wir helfen uns gegenseitig. Wenn wir etwas nicht verstehen, fragen wir unsere Mitschüler, und die erklären das dann." Obwohl also vergleichsweise viele Betreuer für die Schüler zur Verfügung stehen, sind die Kinder nicht abhängig von der Hilfe der Erwachsenen: Sie suchen oft selbst nach Lösungen für Probleme.

Zum Beispiel im Klassenrat, der alle zwei Wochen tagt. Dabei haben die Schüler eine Störampel erfunden, die anzeigt, welche Schüler gerade den Unterricht stören und so für Ruhe sorgen soll. Auch ein Belohnungssystem haben sich die Kinder überlegt: Wenn es im Unterricht gut läuft, gibt s die "goldenen zehn Minuten" die Schüler dürfen sich dann ein Spiel wünschen.

Die Klasse sei zusammengewachsen, es gebe eine gute Gemeinschaft zwischen den Schülern, sagt Magdalena Kerste. Das bestätigt auch der elfjährige Nils Werner: "Ich habe viele Freunde in der Klasse", sagt er. "Ich fühle mich wohl hier." Auch von den Eltern bekomme sie positive Rückmeldungen, sagt Klassenlehrerin Kerste: "Die erleben diese Form des Unterrichts als Zugewinn für die Kinder."

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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