HNA-Interview: Rektor Wilhelm Kötter (Kästner-Schule) geht in die Altersteilzeit

Schule soll vieles richten

Scheidet aus dem Schuldienst aus: Wilhelm Kötter, Rektor der Homberger Erich-Kästner-Schule. Foto: Ehl-von Unwerth

Homberg. Wilhelm Kötter war 34 Jahre lang als Lehrer an der Erich-Kästner-Schule KS tätig, davon fünf Jahre als Rektor. Ende Januar wird er in die Altersteilzeit verabschiedet. Wir sprachen mit ihm über die Weiterentwicklung der Homberger Haupt- und Realschule mit Förderstufe.

Wie viele Schüler haben Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn unterrichtet?

Kötter: Es müssten etwa 2000 Schüler gewesen sein.

Waren Sie ein strenger Lehrer Rektor?

Kötter: Das kommt auf die Sichtweise an. Aus meiner Sicht nicht streng, sondern möglichst gerecht, liebevoll und konsequent. Bei Problemen war es mein Ziel, den Schülern die Einsicht zu vermitteln, ihre Einstellung oder ihr Verhalten zu ändern.

Das Desinteresse der Schüler wird häufig bemängelt. Wie ist Ihre Erfahrung?

Kötter: Ich finde, dass Schüler heute nicht unmotivierter sind und durchaus Einsatz zeigen. Das bestätigt sich an der EKS immer wieder in den freiwilligen Nachmittagskursen. Allerdings machen die gesellschaftlichen Umstände den Schülern das Leben schwer.

Welche Probleme belasten heute die Schulen - und damit auch die Lehrer - besonders?

Kötter: Schüler, Eltern und die Gesellschaft insgesamt haben sich verändert. So fehlt in manchen Elternhäusern aus unterschiedlichsten Gründen immer häufiger die Einsicht in erzieherische Pflichten. Die werden stattdessen vielfach der Schule aufgebürdet. Auch der Verwaltungsaufwand wird immer größer. Dadurch kommt nicht selten die Pädagogik zu kurz. Diese Tatsache frustriert viele Lehrer.

Wie sieht es mit staatlicher Unterstützung aus?

Kötter: Sie fehlt in vielen Belangen. Das beste Beispiel ist das derzeitige Gerangel um die Schulsozialarbeit: Alle sehen die Notwendigkeit, aber das Geld dafür soll eingespart werden.

Ein Novum an der EKS ist das geänderte Raumkonzept. Hat sich diese Neuerung bewährt?

Kötter: Auf jeden Fall. Die Regelung, dass Lehrer feste Räume haben und Schüler gemäß Unterrichtsfach den Standort wechseln, hat viele positive Auswirkungen: Auf Schülerseite sind weniger Streitereien in den Pausen, das häufig geforderte Plus an Bewegung und ein pfleglicherer Umgang mit schulischem Inventar zu verzeichnen.

Die Lehrer haben mehr Zeit für die Schüler, können ihre Räume mit Material ausstatten und sich auf jede Unterrichtsstunde in Ruhe vorbereiten.

Wie wichtig ist die Einrichtung von Ganztagsschulen und welche Chancen bieten sie?

Kötter: Das Ganztagsschul-Angebote waren überfällig: Man trägt damit den geänderten Bedürfnissen von Eltern und Schülern Rechnung. An der EKS bieten wir den Schülern mit etwa 20 Nachmittagsangeboten viele Möglichkeiten, ihren Neigungen nachzugehen sowie Schwächen auszugleichen. Das Angebot reicht von Förderkursen, musischen und sportlichen Angeboten über die Betreuung von Senioren und behinderten Kindern bis zu Projekten in Kooperation mit örtlichen Hilfsorganisationen. Zugleich musste die Mittagsverpflegung sowie die Bereitstellung geeigneter Räume geplant und verwirklicht werden.

Nehmen die Probleme der Schüler – wie allgemein oft beklagt – auch an der EKS zu?

Kötter: Nein. Ein Grund dafür liegt sicher in einem sehr wirkungsvollen Modellprojekt des Kultusministeriums begründet, an dem wir vor einigen Jahren teilgenommen haben. Dabei wurde eine Erziehungsvereinbarung mit klaren Regeln und Grenzen entwickelt, die von jedem Schüler, den Eltern und der Schule unterzeichnet wird. Dieses Konzept haben wir weiter ausgearbeitet. So sprechen wir bei Problemen umgehend mit allen Beteiligten, bis Klarheit und Zufriedenheit geschaffen ist.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

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