Dr. Horst Schmidt setzt sich als Tierschutzbeauftragter für Geflügel und Züchter ein

Schutz hat erste Priorität

Hobby und Berufung: Dr. Horst Schmidt (71) aus Treysa – hier mit einer Tümmlertaube aus eigener Zucht – engagiert sich im Landesverband der kurhessischen Rassegeflügelzüchter. Foto: Rose

Treysa. Nicht für Jeden klingt das Krähen eines Hahnes nach einem munteren Morgengruß. Nicht selten ist der Ruf Auslöser für Nachbarschaftsstreitigkeiten, die sogar vor Gericht landen. Damit kennt sich Dr. Horst Schmidt aus Treysa aus: Seit Jahrzehnten engagiert sich der 71-Jährige im Landesverband der kurhessischen Rassegeflügelzüchter. Den Vorsitz hat er mittlerweile abgegeben, jetzt ist Schmidt Tierschutzbeauftragter und macht sich unter anderem für die Liberalisierung der Haltung von Geflügel in Wohngebieten stark.

Seit langem dürften Züchter nur noch einen Hahn pro Herde – ein Zuchtstamm besteht aus drei bis fünf Tieren – halten, erklärt Schmidt. Dagegen würden sich die Züchter jetzt wehren. In ihrer Gesetzesvorlage beriefen sie sich auf die Ausübung ihrer Freizeitgestaltung. „Wir hoffen, dass sich die Bedingungen ändern. Im Sinne der Zucht sind mehrere Hähne pro Herde wichtig“, sagt Schmidt. Nur so könnten mehrere Linien und Vererbungsgänge sowie Zuchtreserven aufgebaut werden.

Noch Fälle von Vogelgrippe

Nicht nur Gesetze, auch Einschränkungen infolge der Vogelgrippe sorgten in den vergangenen Jahren für einen deutlichen Rückgang der Züchter: „Zwischen 20 und 25 Prozent auf Bundesebene“, schätzt der Experte. Offiziell seien die damals erlassenen Bestimmungen – etwa überdachte Gehege und das Verbot, Geflügel im Freien laufen zu lassen – nicht aufgehoben. „Potentiell gibt es noch Fälle“, erklärt Schmidt. 2011 habe man Puten eines Betriebes in Thüringen keulen müssen. „Aber im Moment ist Ruhe.“ Problematisch bewertet Schmidt auch den Paragraph elf b des Tierschutzgesetzes, der Züchtungen regelt.

In einem Gutachten waren 24 Rassemerkmale aufgeführt worden, die gegen den Paragraph verstießen. „Mittlerweile ist es uns gelungen, dass 23 wieder vom Index sind“, erklärt Schmidt. Züchter hätten sich zur Selbstkontrolle verpflichtet. „So können Überzüchtungen vermieden werden.“ Es gehe darum, erreichte Rückzüchtungen zu festigen. Dazu zählten unter anderem die Sichtfreiheit bei haubentragenden Hühnern, die Verringerung der Luftkröpfe bei Tauben sowie die Haltungsschäden in Gelenken von Enten.

Regelmäßige Kontrollen

Klar sei für die Zukunft, dass sich tierschutzrechtliche Bestimmungen weiter verstärken würden. Regelmäßig kontrolliere er bei Ausstellungen. „Es dürfen keine kranken Tiere in Boxen gezeigt werden. Auch schaue ich auf die Größe der Gehege und die Versorgung der Tiere“, sagt Schmidt. Züchtern sollten bruchsichere Transportbehälter an die Maße der Tiere anpassen und für gute Durchlüftung sorgen. „Der Tierschutz hat erste Priorität.“ Manchmal wünsche er sich aber etwas mehr Verständnis für Rassebildung. Für Dr. Horst Schmidt selbst ist Geflügelzucht vielschichtig: „Tiere bringen durch die Zucht und die Ausstellungen viel Freude in den Jahreslauf.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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