Feuerwehr will wegen Personalmangels Frauen für Einsatzabteilung gewinnen

Der Schutz ist gefährdet

Grund zur Sorge: Wehrführer Helmut Sauerland bedauert, dass ein Großteil der Ausrüstung in Einsatzfällen nicht genutzt wird, da tagsüber die meisten Feuerwehrleute fehlen. Foto: Dietzel

Niederlistingen. Wenn es brennt, sieht es nicht gut aus für die Menschen in Niederlistingen. Denn die Feuerwehr im Ort ist tagsüber schlecht aufgestellt. Nur drei bis vier Wehrleute sind einsatzbereit, wenn dann die Sirene heult. Das berichtet Helmut Sauerland, Wehrführer in Niederlistingen.

Alle anderen der 24 aktiven Feuerwehrleute arbeiten auswärts, viele in Kassel, sodass sie bei Notfällen nur nachts oder an Wochenenden zur Verfügung stehen. Gut, dass bei allen Einsätzen auch die Kollegen aus Breuna und Oberlistingen alarmiert werden. Doch die Hilfsfrist beträgt zehn Minuten, und 15 Einsatzkräfte sollten grundsätzlich vor Ort sein. „Wir haben noch nicht einmal sechs eigene Personen, um unser Fahrzeug voll zu kriegen“, beklagt Helmut Sauerland die Situation. Es sei besonders wichtig, Einsatzkräfte zu haben, die sich im Ort gut auskennen.

Der Altersdurchschnitt steigt, da es zu wenig Nachwuchs gibt. Nach und nach werden die Älteren nicht mehr einsatzbereit sein. Denn nach dem Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz ist der Einsatz ab 62 oder 65 Jahren nicht mehr erlaubt – je nach dem, wie die jeweilige Gemeinde dies entscheidet.

Vor einigen Jahren hatte die Feuerwehr Niederlistingen noch keine Personalsorgen, da mehr Mitglieder einen Arbeitsplatz im Ort hatten. Hermann Raabe erinnert sich an die 70er-Jahre, als er nach Niederlistingen zog und dort in die Feuerwehr eintrat. „Wir waren bei Einsätzen immer mindestens zehn Leute“, erzählt der 64-Jährige, der Landwirtschaft betrieben hat und somit auch tagsüber im Heimatort war. Für Hermann Raabe war es selbstverständlich, die Feuerwehr zu unterstützen. „Es ist eine gute Sache, weil man für den Nächsten da sein kann“, sagt er.

Die Jugendfeuerwehr besteht derzeit aus acht Mitgliedern, davon zwei Mädchen. „Es ist schade, dass noch kein Mädchen in den aktiven Dienst gewechselt ist“, sagt Helmut Sauerland. Dabei werden Frauen doch so dringend benötigt.

Sauerland und sein Stellvertreter Jörg Böhme sehen dies als einzige Möglichkeit, das Problem zu lösen. Lösch- und Rettungsarbeiten könnten leicht auch von Frauen übernommen werden. „Eine muss den Anfang machen“, sagt Sauerland.

Die Einsatzgruppe trifft sich jeden zweiten Freitag um 19.30 Uhr im Feuerwehrgerätehaus.

Kontakt: Helmut Sauerland, Wehrführer, 0160/90140122.

Von Stefanie Dietzel

Quelle: HNA

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