Vor 70 Jahren: Am 19. Dezember 1941 starb Carl Bantzer in Marburg

Der Schwälmer Maler

Werk und Vergnügen: Eines der bekanntesten Werke von Carl Bantzer ist der Schwälmer Tanz. In Willingshausen trafen sich die Künstler von links Heinrich Giebel geboren 1865, Martlies Dörr geboren 1877, Hermann Kätelhön geboren 1882, Hermann Metz geboren 1865, Wilhelm Thielmann geboren 1868, Adolf Lins geboren 1865, Heinrich Otto geboren 1858 und Carl Bantzer geboren 1857. Foto: privat

Schwalmstadt. Ihn faszinierte das Studium des Lichts und er wollte Augenkultur vermitteln. In Willingshausen schätzte Carl Bantzer vor allem die ausdrucksstarken und ursprünglichen Menschen, die er in zahlreichen Portraits und Genreszenen festhielt.

Am 19. Dezember jährt sich der Todestag Bantzers zum 70. Mal. Einige seiner berühmtesten Werke entstanden in der Künstlerkolonie Willingshausen. Nach zweijähriger Vorarbeit stellte er das Gemälde „Abendmahl in einer hessischen Kirche“ (1892) fertig, das in den großen Kunstausstellungen in München, Berlin, Wien, Dresden, Leipzig, Hamburg und Frankfurt am Main gezeigt wurde und dem Künstler zu einiger Berühmtheit verhalf.

Ein weiteres bedeutendes Werk, das hier entstand ist der „Schwälmer Tanz“ (1893, Marburger Universitätsmuseum), auf dem die farbenprächtige Tracht besonders gut zur Geltung kommt. Er schuf Genreszenen, Landschaften und einfühlsame Portraits, in denen er bemüht war auch das Innere des Menschen, dessen Charakter zu zeigen.

Malen im Freien

Wenn das Wetter es zuließ, malte er mit seinen Schülern und Kollegen im Freien, um ein möglichst authentisches Bild des Lichtes und der Landschaft zu erhalten.

Obwohl Bantzer nie einen festen Wohnsitz in Willingshausen hatte, blieb er der Schwalm stets sehr verbunden und verbrachte jedes Jahr mehrere Monate in der Künstlerkolonie. Fotografien und Zeichnungen belegen das heitere Beisammensein der Künstler im Gasthaus Haase, wo die meisten von ihnen während ihres Aufenthaltes Quartier bezogen.

Dort ist auch die berühmte, gemeinschaftlich bemalte Tür entstanden, die noch heute im Malerstübchen im Gerhardt-von-Reutern-Haus zu sehen ist.

Der 1857 in Ziegenhain geborene Künstler nahm 1875 sein Studium an der königlichen Kunstakademie Berlin auf, wo er unter anderem bei Paul Thumann und Karl Gussow studierte. 1880 siedelte er nach Dresden über, wo er 1881 Meisterschüler des Portraitisten Leon Pohle wurde. Nach einem Aufenthalt in Paris von 1882 bis 1883, wo er die moderne, dort betriebene Pleinairmalerei kennen lernte, kam er 1887 erstmals nach Willingshausen und verweilte dort von nun an jedes Jahr für einige Zeit. Insgesamt besuchte er das Schwälmer Dorf 55 Mal

Wirkte als Lehrer

Von 1893 bis 1895 war er Vorsitzender der „Freien Vereinigung Dresdener Künstler“, sowie auswärtiges Mitglied der Berliner Sezession. 1897 wurde er zum Professor an der Kunstakademie Dresden ernannt. Im Laufe seiner Tätigkeit in Dresden unterrichtete er bedeutende Künstler, wie Josef Hegenbarth (1884 bis 1962), Paul Plontke (1883-1966) und den Dadaisten Kurt Schwitters (1887 bis 1948).

1918 wurde er Direktor und erster Lehrer der Kunstakademie Kassel, stellte bereits 1922 jedoch sein Rücktrittsgesuch und schied kurz darauf aus seinem Amt aus. 1935 verfasste er mit „Hessen in der Deutschen Malerei“ eines der wichtigsten Werke über die Willingshäuser- und andere Künstlerkolonien.

Mit Carl Bantzer starb am 19. Dezember 1941 in Marburg einer der bedeutendsten Vertreter der Künstlerkolonie Willingshausen.

Von Kati Werkmeister

Quelle: HNA

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