100 Jahre Erster Weltkrieg

Schwälmer Soldaten feierten keine Friedensweihnacht

Feldpostkarte: Dieser Schwälmer Weihnachtsgruß ging nach Russland.

Als Heinrich Kuhl in sein Tagebuch eintrug „Dienstag, den 1. Dezember, der erste Tag des prophezeiten Friedensmonats, wusste er nichts von den Entscheidungen seiner Kriegsherren.

Er berichtet ausführlich von der ersten Kriegsweihnachtsfeier im französischen Noncard: „Donnerstag, den 24. verbringen wir mit Ausschmücken unseres lieben Heims. Es wird genügend Holz zerkleinert, dass wir unseren lieben Ofen dauernd im Betrieb halten können, während des schönen Festes. Wir empfangen Liebesgaben aus der Heimat, jeder ein Paket, welche wir, weil die Größe verschieden ist, verlosen. Auf jedem Paket ist der Stifter und Absender, welche uns auffordern, mal zu schreiben. Am Vormittag muss ich noch Patronen austeilen, welches mir viel Arbeit macht. Es gibt Bier, jeder Mann einen halben Liter.

Die Feldküche bringt gekochten Grog nach der Feier in der Kirche abends. Es werden noch allerhand Nüsse, Pfefferkuchen und Schokolade verteilt und nun beginnt die eigentliche Korporalschaftsfeier. Es ist alles da, wonach man sich sehnt, bloß noch keine Friedensaussicht. Unser liebes, unvergessliches Weihnachtsbäumchen ist geschmückt wie in der Heimat. Es fehlt nichts, bloß die schöne Spitze, welche ersetzt wird durch ein Schildchen, von mir angefertigt: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden. Feldzug 1914. Fröhliche Weihnachten.

Ein großer Kasten, welcher uns den Tisch ersetzt, ist mit Zeitungspapier belegt, darauf das Bäumchen, darunter Nüsse, Schokolade, Pfefferkuchen und sonstige nur erdenkliche Zuckerwaren ausgebreitet. Eine Kerze an der anderen und an jeder Ecke des Tisches brennt noch eine große lange Kerze. Die Lichter werden angezündet und die Feier beginnt mit dem feierlichen Lied: Stille Nacht, heilige Nacht. (…) Dazwischen hört man ab und zu die Kanonen donnern.

Jeder denkt an vergangene Zeiten und spricht von der lieben Heimat (…) Wir vergessen Krieg und Alarmbereitschaft und feiern. Wir kochen Kaffee und Kakao mit Zucker und essen die Zuckerwaren. Wir feiern und singen bis vier Uhr morgens, dann gehen wir in die Kirche. Zurückgekehrt legen wir uns schlafen.“

Von Bernd Lindenthal 

Mehr in der gedruckten Samstagausgabe.

Quelle: HNA

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