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Bernhard Jagoda war Vorgänger der künftigen BA-Chefin Andrea Nahles

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Bernhard Jagoda kurz vor seinem 70. Geburtstag 2010 im Garten seines Hauses in Treysa.
Viele Jahre Präsident der Bundesanstalt für Arbeit: Bernhard Jagoda kurz vor seinem 70. Geburtstag 2010 im Garten seines Hauses in Treysa. Archiv © Saskia Trebing

Diese Nachricht hat viele Schwälmer besonders aufhorchen lassen, denn es geht um eine wichtige Position in der Bundesrepublik, die lange Jahre der Treysaer Bernhard Jagoda bekleidet hat. Die frühere Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) soll nun die die erste Frau an der Spitze der Bundesagentur für Arbeit werden.

Schwalmstadt. Zu Bernhard Jagodas Zeit lautete der Amtsbegriff noch anders: Er war 1993 bis 2002 der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit (BA) und steuerte den damals besonders aufgewühlten deutschen Arbeitsmarkt knapp ein Jahrzehnt lang. Selten hatte er Positives zu verkünden, die Kurve der Arbeitslosigkeit zeigte fast permanent nach oben. Knapp 4,4 Millionen Menschen waren etwa im Jahr 1997 arbeitslos.

Als Jagoda 2015 im Alter von 74 Jahren starb, begleiteten 400 Trauergäste seinen letzten Weg. Über 50 Jahre war Bernhard Jagoda Mitglied der CDU gewesen. Zur Welt gekommen war er 1940 in Oberschlesien, Sohn eines Bergmanns, als Kind kam er nach Treysa. Zunächst Verwaltungsbeamter in Treysa, führte in sein Weg 1970 in den Hessischen Landtag, wo er sozialpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion wurde. 1980 wechselte er als Abgeordneter in die Bundespolitik, wurde 1987 Mitglied der Bundesregierung als Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium und erlebte aus dieser Warte die Wende. Unter Arbeitsminister Blüm trieb er die Gesundheits- und Rentenreform voran. Ein inoffizieller Ehrentitel lautete „Baumeister der sozialstaatlichen Einheit Deutschlands“, offiziell war er Inhaber des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse.

Pasionierter Golfspieler

Dabei blieb er, engagierter Katholik, Stadt und Region nahbar verbunden, im Bistum Fulda und seiner Kirchengemeinde, im Landkreis, im Rotary Club. Der verheiratete Familienvater spielte gern Golf in Bad Wildungen.

Über sich selbst hatte Jagoda laut eines HNA-Berichts gesagt, er sei „bekennender Optimist“, Zukunft sei eine Chance, keine Gefahr. Von einem Pauschalverdacht gegenüber Arbeitslosen hielt er gar nichts, „jeder Mensch empfindet Schmerz, wenn er sich nicht gebraucht fühlt“. Der „Sozialstaat sei kein Kampfplatz, sondern er muss geschützt werden“. Er warb bereits für Arbeitszeitmodelle, wünschte sich mehr Kreativität und Flexibilität in diesem Bereich, konnte sich ein Konto für Lebensarbeitszeit vorstellen – aus heutiger Sicht zukunftsweisende Aspekte. Über die Hartz IV-Reformen sagte er, diese seien „übereilt“gewesen.

Nach Reformen der Bundesanstalt 2002 wurde der Präsident durch einen dreiköpfigen Vorstand ersetzt, der erste Vorstandsvorsitzende war Florian Gerster gefolgt von Frank-Jürgen Weise und Detlef Scheele, der bald in Ruhestand geht. Andrea Nahles (51), frühere SPD-Chefin, soll nun Vorstandschefin der Bundesagentur werden als die erste Frau an der Spitze – und damit so etwas wie eine Nachfolgerin eines Schwälmers. (Anne Quehl)

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