Rauch- und auch Mehlschwalbe müssten wieder da sein – Vogelkundler rätseln

Die Schwalben bleiben aus

Rarer Anblick: Rauchschwalben sind in diesem Frühjahr wie viele andere Zugvögel bisher auffallend selten. Foto: privat

Schwalm. Als Folge des äußerst milden Winters und der sonnig-warmen Märzwochen blühen derzeit verbreitet schon Löwenzahn, Raps und Kirschen. Bundesweit betrachtet ist der gerade einsetzende Beginn der Apfelblüte in diesem Jahr nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes dem langjährigen Durchschnitt um etwa 17 Tage voraus.

Damit übertrifft der Frühling 2014 im Hinblick auf Wärme und den Stand der Vegetationsentwicklung alle Vorjahre bei Weitem. Das sollte sich auch auf die Zugvögel auswirken, treffen diese doch bei milderen Bedingungen auch frühzeitiger ein.

Aber weit gefehlt – selbst viele aufmerksame Vogelbeobachter haben bisher noch keine Rauch- und erst recht keine Mehlschwalbe zu Gesicht bekommen. Während die in Ställen brütende Rauchschwalbe meist Ende März zurückkommt, trifft die unter Dachvorsprüngen nistende Mehlschwalbe sonst in den ersten Apriltagen ein.

Auch andere fehlen noch

Um den 10. April sind normalerweise schon große Trupps vor allem von Rauchschwalben zu sehen. Derzeit sind es jedoch nur wenige Einzeltiere und kleinere Gruppen, die im warmen Sonnenschein unterwegs sind. Auch unauffälligere Arten wie Baumpieper und Steinschmätzer müssten längst zurück sein. Es fehlt aber überall in Hessen, wie auch in der Schwalm, an Sichtungen dieser und weiterer Zugvögel.

Wie lässt sich die Situation erklären – schönstes Wetter und ein richtiger Frühlings-Frühstart, aber von vielen Zugvögeln kaum eine Spur? Derzeit rätseln die Vogelkundler noch, ob vielleicht ungünstige Witterung auf dem Heimweg die Vögel abhält. Am wahrscheinlichsten ist aber die Vermutung, dass wir auf viele der kleinen Zugvögel vergeblich warten. Viele von ihnen sind in den frostig-kalten Wochen Ende März und Anfang April des Vorjahres pünktlich eingetroffen, dann aufgrund der langen Kältephase aber oft umgekommen. Nun fehlen genau diese früh ziehenden Populationsanteile, so dass trotz optimaler, warmer Witterung noch kaum Zugvögel eintreffen.

Deutlicher Rückgang

Wenn dies so zutrifft, dann sollten in den kommenden Wochen die später ziehenden Anteile zwar noch heimkehren, insgesamt aber ein deutlicher Rückgang festzustellen sein.

Wenn Frühjahr und Sommer weiter warm und sonnig bleiben, können die übrig gebliebenen Zugvögel zwar die entstandenen Lücken durch mehrere Bruten wieder auffüllen, doch benötigen sie dafür ausreichend Lebensraum und Brutplätze. Ein Grund mehr also, sich über Schwalbenbruten am eigenen Haus zu freuen und die Gärten wo möglich vogelfreundlich zu gestalten!

Heinz und Stefan Stübing

Quelle: HNA

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