Erster Vertriebenen-Transport

Schwalm-Eder-Kreis vor 70 Jahren: Ankunft in Viehwaggons

Einer von 40 Waggons: Im Februar vor 70 Jahren verließen Menschen, die im Schwalm-Eder-Kreis heimisch wurden, das Lager Muna in der heutigen Tschechei. Foto: privat

Bei einem Treffen diese Woch in Wasenberg kommen Menschen, die vor 70 Jahren aus der Region Freiwaldau-Zuckmantel-Niklasdorf [heute Tschechien] in den heutigen Schwalm-Eder-Kreis kamen. In Viehwaggons erreichten sie den Bahnhof in Treysa.

Ende Januar 1946 wurden Sudetendeutsche aus dem Altvatergebirge der Region Freiwaldau-Zuckmantel-Niklasdorf [heute Tschechien] zur Vertreibung im naheliegenden Lager „Muna“ gesammelt, um die Zahl von 1200 Menschen zu erreichen.

Der Transport mit 1198 Personen hatte das Sammellager am 6. Februar verlassen und am 9. Februar die Grenze bei Furth in Wald passiert. Am 10. Februar 1946 erreichte dieser erste Vertriebenen-Transport Nordhessen. Er war nach den Plänen der Amerikaner für Fulda bestimmt (insgesamt waren es 43 Transporte mit 51 568 Menschen). Dort wurde er aber mit der Begründung abgewiesen, der Wohnraumbestand sei falsch berechnet worden.

Die 40 Viehwaggons wurden in die Schwalm mit dem Bestimmungsbahnhof Treysa umgeleitet.

Diese ersten Vertriebenen wurden dann im Altkreis Ziegenhain auf den Bahnhöfen der Nebenstrecken nach Hersfeld und Malsfeld und der Main-Weser-Bahn ausgeladen. Von dem Güterbahnhof Treysa wurden die Angekommenen mit Pferdegespannen in die umliegenden Gemeinden verteilt.

Etwa 170 Personen kamen spät abends in Wasenberg an und wurden teils in der Nacht oder nach der Übernachtung in Tanzsälen am Morgen in die Privatunterkünfte verteilt.

Der Zeitzeuge Helmut Gröger aus Wasenberg (Hintergrund) berichtete dem Autorenpaar Gömpel: „Es waren vorwiegend alte Menschen und Kinder, das jüngste war acht Monate alt. Die Männer waren in Kriegsgefangenschaft, vermisst, gefallen oder zur Zwangsarbeit festgehalten.“

Die Familie Gröger fand mit anderen Flüchtlingen und Vertriebenen in Wasenberg ein neues Zuhause. Viele Familien zogen aber in den folgenden Jahren in andere Städte, die bessere Arbeitsmöglichkeit boten. [...]

Während einer Busreise mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft Kassel ins Altvatergebiet 2015 wurde u.a. das ehemalige Sammellager besichtigt. Von diesem Besuch brachte Gömpel einige Fotos mit: „Sie zeigen den Abtransport der Sudetendeutschen im Rahmen der „organisierten Vertreibung“. Im Gegensatz dazu fand im Jahr 1945 die „wilde Vertreibung“ statt, die durch die sogenannten Todesmärsche (z.B. Komotauer- u. Brünner-Todesmarsch) vollzogen wurden.“

• Termin: Das Treffen findet am 13. Februar, Beginn 14 Uhr, im Jägerheim in Wasenberg statt.

Quelle: HNA

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