Schwalm-Eder-Kreis: Kinder schlucken unnötig oft Antibiotika

Melsungen. Kinder schlucken unnötig oft Antibiotika. Im Schwalm-Eder-Kreis nehmen 56 Prozent der Kinder bis sechs Jahre mindestens einmal im Jahr ein Antibiotikum zu sich.

Der deutsche Durchschnitt liegt bei 49 Prozent. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor.

40 Prozent sind es in der Gruppe bis 17 Jahre (Deutschland: 34 Prozent), die mindestens einmal im Jahr ein Antibiotikum nehmen. Diese Zahlen stammen aus Daten der Barmer GEK von 2009 und 2010.

„Ein Kind mit Beschwerden wie einem geröteten Ohr sollte besser häufiger zur Kontrolle einbestellt werden, statt sofort Antibiotika verschrieben zu bekommen“, sagt Dr. Hans-Georg Zöberlein, Kinderarzt in Melsungen. Erst bei deutlichen Anzeichen einer Entzündung sei ein Antibiotikum angebracht.

Antibiotika werde Kindern häufiger dort verordnet, wo weniger Kinderärzte niedergelassen sind, sagt Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands.

Das liege an den örtlichen Gegebenheiten, glaubt der Melsunger Kinderarzt Zöberlein. Dort seien regelmäßige Kontrolle nicht möglich, dann griffen die Ärzte zum Antibiotikum um sicherzugehen.

„Ein Kinderarzt hat einen größeren Erfahrungsschatz mit fiebrigen Zuständen bei Kindern“, sagt der Fritzlarer Kinderarzt Dr. Martin Glück. Daraus resultiere die Sicherheit, ein Kind mit Fieber auch ohne Antibiotikum heimzuschicken. „Es geht darum, virale und bakterielle Effekte sicher zu unterscheiden.“

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Von Sebastian Lammel

Quelle: HNA

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