Kreis hat am meisten ausgelastete Praxen in Hessen

Schwalm-Eder-Kreis: Ein Hausarzt versorgt pro Quartal über 1000 Patienten

Schwalm-Eder. Kein Landkreis in Hessen ist schlechter mit Hausarztpraxen versorgt als der Schwalm-Eder-Kreis: Während im Durchschnitt auf einen hessischen Hausarzt pro Quartal 876 Patienten kommen, muss ein Hausarzt im Schwalm-Eder-Kreis durchschnittlich 1038 Patienten behandeln.

Das geht aus einer Studie der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen hervor. Die Patientenzahl pro Arzt im Landkreis steigt in den kommenden Jahren vermutlich weiter an: Denn bis zum Jahr 2020 werden mindestens 50 der derzeit rund 120 Hausärzte ihre Praxis aufgeben - und einen Nachfolger zu finden, wird immer schwieriger. Kein Wunder, sagt Dr. Dieter Conrad, Vorsitzender des Hessischen Hausärzteverbands und Inhaber einer Praxis in Neuental: „Ich arbeite oft zehn bis zwölf Stunden am Tag. Junge Ärzte wollen solche Arbeitszeiten nicht mehr.“ Deshalb brauche man als Ersatz für einen heutigen Hausarzt künftig oft zwei Ärzte, die sich die Arbeit aufteilten.

Zudem seien speziell Hausarztstellen im ländlichen Raum unbeliebt: In Städten wie Wiesbaden zum Beispiel hätten Hausärzte weniger Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. Zudem sei dort der Altersschnitt der praktizierenden Hausärzte deutlich niedriger als im Schwalm-Eder-Kreis. Mehr Ärzte in den Landkreis zu locken, gestaltet sich also schwierig.

Eine Alternative sei aber, die Hausärzte zu entlasten - zum Beispiel durch „Verahs“ (Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis). Das Konzept: Medizinische Fachangestellte in der Hausarztpraxis können eine Weiterbildung absolvieren und dann den Patienten eigenständig Hausbesuche abstatten. Damit wird der Hausarzt entlastet. „Dieses System wird sich in Zukunft etablieren“, ist Conrad überzeugt. Das bedeute aber auch: „Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt wird zunehmend wegfallen.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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