Valentinstag 

Paare aus dem Schwalm-Eder-Kreis erzählen ihre Liebesgeschichten

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Seit sieben Jahren glücklich miteinander: Jan Kothe aus Homberg (links) und Jörg Wels aus Kassel machen kein Geheimnis aus ihrer Liebe.

Ob im Internet, bei B. Braun oder beim Bücher signieren: Die Liebe trifft einen oft unerwartet: Wir stellen Paare vor, die sich seit kurzem oder langem lieben, und zwar das ganze Jahr über.

Zeitungsanzeige führte zur Liebe auf den ersten Blick 

Als Jörg Wels ihm die Tür öffnete, war es um Jan Kothe geschehen: „Es war tatsächlich Liebe auf den ersten Blick“, sagt der Homberger im Rückblick auf die erste Begegnung vor sieben Jahren.

Kothe, damals 34, hatte eine Anzeige aufgegeben, in der er einen Partner suchte, Jörg Wels aus Kassel hatte sich gemeldet. Es war das erste Date, zu dem sich Kothe aufmachte, und er erinnert sich noch, „wie furchtbar aufgeregt“ er auf dem Weg nach Kassel war. Aus dieser Aufregung vor der ersten Begegnung wurde eine Liebe, die über die Jahre hinweg wuchs. Eine Liebe, die sich nie verstecken musste: Das homosexuelle Paar geht offen mit seinen Gefühlen um.

Das war nicht immer so. Es habe lange gedauert, bis er den Mut gefunden habe, seiner Familie und seinen Freunden von seiner Homosexualität zu erzählen, sagt Jan Kothe, den viele als den „Verrückten Floristen“ aus Homberg kennen. Dann aber sei der Tag gekommen, an dem er die Runde durch seinen kompletten Freundeskreis gemacht und sein Geheimnis preisgegeben habe. Die Reaktion der meisten: „Mach Dir keinen Kopf, das haben wir doch längst gewusst!“

Jetzt weiß es wirklich jeder, und das ist für die beiden richtig und wichtig. Ab und zu, sagen die zwei, müssten sie sich – liberale Gesellschaft hin oder her – noch immer blöde Sprüche anhören, wenn sie händchenhaltend durch die Straßen gehen. Oder auch nur neugierige Blicke aushalten: „Manchmal frage ich mich, ob ich lila Perlen in den Haaren habe, weil mich Leute so neugierig ansehen“, sagt Jörg Wels.

Diese Blicke aber halten die beiden locker aus. Ihre Liebe ist viel größer als die Sorge, was denn andere Leute denken könnten. Die Zeiten, in denen sich homosexuelle Paare verstecken mussten, sind gottlob lange vorbei: „Es lebt sich so unendlich viel befreiter, wenn man dazu stehen kann“, sagen die beiden.

Das verflixte 7. Jahr haben der Homberger und der Kasseler bereits fast hinter sich gebracht, zusammengezogen aber sind sie noch nicht, sie lassen sich gegenseitig Raum. Ohne dabei ihre Beziehung in Frage zu stellen: „Jan ist mein Lebenspartner. Und das ist gut so,“ sagt Jörg Wels.

Waberner Autor fand große Liebe am Neujahrstag

Besser hätte das Jahr für Kai Niebergall nicht starten können: Bereits am allerersten Tag hat der Waberner eine neue Liebe gefunden. Der 55-Jährige hatte per Facebook für den 1. Januar alle Freunde und Bekannte zu einem Tag der offenen Tür zu sich nach Hause eingeladen: Der Autor wollte an diesem Tag einem bunten Publikum sein frisch erschienenes Buch „Pures Leben“ präsentieren. 

Liebe auf den ersten Blick: Kai Niebergall und Petra Hucke haben sich gerade erst gefunden.

Unter den vielen Besuchern, die an diesem Tag kamen, war auch Petra Hucke aus Gudensberg. Sie hatte vom Buch gehört und gelesen und war neugierig auf dessen Inhalt. Dass sie ihr Herz an dessen Autoren verlieren würde, das hätte sich die 52-Jährige wohl nicht träumen lassen, als sie sich am Neujahrstag auf den Weg nach Wabern machte. Petra Hucke ließ sich ihr Buch signieren und blieb länger als alle anderen und war damit auch die, mit der Kai Niebergall am längsten sprach. 

Und sie war die, die ihm nicht aus dem Kopf ging. Vier Tage später trafen sich die beiden auf der Garvensburg bei Züschen zum Spaziergehen wieder. Und saßen danach stundenlang völlig weltvergessen auf einer kuscheligen Couch im Lokal. Spätestens beim Gespräch auf diesem Sofa, sagt Kai Niebergall, sei es um ihn geschehen gewesen: „Ich habe mich total verliebt.“ Was für Niebergall der Knaller ist: Weder er noch Petra Hucke waren an diesem Neujahrstag auf Partnersuche gewesen. 

Er hatte sein Buch vorstellen wollen, sie war einfach nur ihrer Neugier gefolgt. Aber für Niebergall ist es auch logisch: „Wenn man zufrieden ist mit sich und der Welt, dann zieht man andere zufriedene Menschen an.“ Jetzt sind die beiden nicht nur zufrieden, sondern glücklich. Und zwar so glücklich, dass sie nach nur drei Wochen zusammen gezogen sind. Am 21. Januar, 20 Tage nach dem Kennenlernen, ist Petra Hucke zu ihrem Freund gezogen. „Wenn es ein Aber gegeben hätte, hätten wir es nicht getan“, sagt Kai Niebergall. „Aber es gab für uns schlicht und ergreifend kein Aber – sondern nur eine neue große Liebe.“

In der „Weinliebe“ funkte es

Wilma Merle und Udo Wiedmann sind sich einander das größte Glück: Vor dreieinhalb Jahren lernten sich die Ottrauerin und der gebürtige Stuttgarter kennen und lieben. Ein großes Glück ist es auch für die Menschen rund um Ottrau, dass sich beide fanden – denn Udo Wiedmann ist ab April der neue Hausarzt. Damit schließt er eine große Lücke, mehr als ein Jahrzehnt fehlte nämlich ein Hausarzt. Kennen lernten sich die Augenoptiker-Meisterin und der Allgemeinmediziner bei einem Glas Wein – in einer Bad Vilbeler Weinstube, die den vielversprechenden Namen „Weinliebe“ trägt. 

Beim Glas Wein kennengelernt: Wilma Merle und Udo Wiedmann.

Mehrere Jahre sah sich das Paar nur an den Wochenenden und am Mittwoch, ihrem reservierten „Taunus-Tag“. Doch für die beiden Selbstständigen war das zunächst nicht anders machbar. Udo praktizierte als Hausarzt in Riedelbach, Wilma arbeitete im eigenen Geschäft in Treysa. Was beide verbindet, ist die Leidenschaft für guten Wein und gutes Essen. Gemeinsames Kochen ist dem Paar wichtig. Zwischen Pfanne und Pfälzer Tropfen wird außerdem viel gelacht. 

Beide lieben Ausflüge in Deutschlands Weinregionen, geht es weiter weg, dann steht die Nordsee auf der Wunschliste. Hier können sich Udo Wiedmann und Wilma Merle perfekt entspannen. Auch das Herz für Tiere eint sie. Der neue Lebensmittelpunkt wird ab April Ottrau sein. Beide sind heilfroh, die Pendelei hinter sich zu haben. Bis dahin liegt noch viel Arbeit vor dem Paar: Sie sind mit dem Umzug und der Umgestaltung der Praxis beschäftigt. Aber mit jeder Kiste kommen sie ihrem Wunsch eines Lebens zu zweit ein Stückchen näher – und sie freuen sich riesig darauf.

Melsunger Paar lernte sich bei B. Braun kennen 

Wie frisch verliebt wirken Elena Müller (23) und Hendrik Grimsel aus Melsungen (25) nach vier Jahren Beziehung. Die beiden haben sich auf der Arbeit kennengelernt. Laut einer Studie in der Zeitschrift Freundin lernen sich 39 Prozent der Paare durch gemeinsame Freunde kennen. An zweiter Stelle folgt mit 15 Prozent der gemeinsame Arbeitsplatz. Elena Müller und Hendrik Grimsel trafen sich zum ersten Mal während der Ausbildung, verraten sie. 

Hendrik Grimsel (25) und Elena Müller (23) kennen sich von der Arbeit. Er könne gut zuhören, erzählt sie. Der 25-Jährige: „Wir sind wirklich gute Freunde.“

Die beiden arbeiten bei B. Braun in Melsungen. Was sie am anderen schätzen? Das junge Paar überlegt und kommt zu ganz unterschiedlichen Antworten. „Er kann zuhören und achtet auf mich“, sagt Elena Müller. Ein Beispiel: „Er übernimmt mehr im Haushalt, wenn ich nicht so viel Zeit habe. Wir sind gleichberechtigt, es gibt bei uns keine strikte Rollenverteilung.“ Der 25-Jährige spielt gern Computerspiele. 

Andere würde das vielleicht stören, vermutet er. Bei seiner Freundin sei das anders. „Elena unterstützt mich uneingeschränkt in dem, was ich mache, und akzeptiert mich, wie ich bin. Wir sind wirklich gute Freunde.“

Aus einer Internetbekanntschaft wurde mehr 

Annika Horn und Christian Wolf gehen nie ohne ihr persönliches Ritual auseinander: Dem anderen, egal ob beim Abschied oder am Telefon, zu sagen, dass man ihn liebt. Der 29-Jährige aus Treysa und die 27-Jährige aus Niedergrenzebach sind seit Januar 2008 ein Paar. Kennen lernte es sich über eine Internetseite, die damals Party Animals hieß. Auf das zaghafte Schreiben folgte ein erstes Treffen, bei dem beide feststellten, dass man sogar gemeinsame Freunde hat. 

Zusammen seit 2008: Christian Wolf (Treysa) und Annika Horn (Niedergrenzebach).

Seitdem sind Annika und Christian unzertrennlich – sie schätzen aneinander, dass sie tatsächlich in den so oft zitierten guten und schlechten Zeiten zusammen halten, immer ein offenes Ohr füreinander haben und vor allem gern und viel miteinander lachen. Auch versuchen beide, möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen. Annika Horn arbeitet als Heilerziehungspflegerin bei der Hephata Diakonie, Christian Wolf hat seinen Master in Maschinenbau gemacht, ist Mitarbeiter an der Uni Kassel, aktuell promoviert er.

Quelle: HNA

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