Praktisch kein Markt für Pferdefleisch im Landkreis – Sammelstelle in Fritzlar

Schwalm-Eder: Schlachtung von Pferden ist sehr selten

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Auf der Weide: Pferde gehören auch im Schwalm-Eder-Kreis zum Landschaftsbild. Die wenigsten von ihnen landen beim Schlachter.

Schwalm-Eder. Statt Rind oder Schwein das Fleisch vom Pferd auf dem Teller? Nicht jeder kann sich das vorstellen. Ein bis zwei Hausschlachtungen von Pferden pro Jahr gibt es im Landkreis dennoch.

„Diese werden privat durchgeführt“, erklärte Dr. Hans-Gerhard Heil, Veterinär des Schwalm-Eder-Kreises, gestern auf HNA-Anfrage. Die meisten Eigentümer lassen ihre Tiere einschläfern, wenn sie sehr krank sind.

Tierarzt Dr. Michael Rickert (Niedergrenzebach) hat in seinen 30 Jahren als Lebensmittelprüfer beim einzigen Schlachthof des Landkreises, dem in Ziegenhain, erst drei Pferde zur Schlachtung freigegeben: „Es gibt hier einfach keinen Markt für Pferdefleisch.“

Dr. Michael Rickert

Wenn Pferde getötet werden sollen, wird das beim Landkreis angemeldet. „Die Tiere werden dann vor Ort eingeschläfert“, berichtete Kreisveterinär Heil. Dann werden sie zur Tiersammelstelle nach Fritzlar gebracht. Von dort aus geht es weiter zur Tierbeseitigungsanlage nach Rivenich (Rheinland-Pfalz). „In der Anlage werden die Tierkörper zu Mehl verarbeitet und dann verbrannt.“

Wenn ein krankes Pferd nicht mehr weiterleben kann, entscheiden sich die meisten Halter für diese Variante. „99 Prozent der Pferdebesitzer lassen ihr Pferd dann einschläfern“, berichtet Dr. Anne Imhof vom Kreisreiterverein der Schwalm in Ziegenhain. Wenn Pferdehalter ihr Tier doch schlachten lassen möchten, müssen sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. „Direkt nach der Geburt muss der Eigentümer entscheiden, ob das Pferd ein Schlachtpferd sein soll“, erklärte Tierärztin Imhof. Schlachtpferde dürften mit bestimmte Medikamenten nicht behandelt werden. „Natürlich kann sich der Halter jederzeit gegen eine Schlachtung entscheiden.“

Wenig Geld für das Fleisch

Viel Geld winkt ohnehin nicht. „Vielleicht bekommt man noch 100 Euro“, schätzt Dr. Michael Rickert den Preis für das Fleisch eines Pferdes. Das würde sich für die meisten Pferdehalter nicht lohnen. Außerdem seien besonders alte Tiere meist gar nicht mehr genießbar. „Das Fleisch dieser Pferde dieser Pferde ist zu zäh.“ Deshalb würden Pferdeschlachtungen auch in Zukunft die Ausnahme bleiben.

Von Jonathan Vorrath

Quelle: HNA

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