Große Typisierungsaktionen

Zwei Kollegen spendeten Stammzellen - Datei im Landkreis wächst

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Sie haben sich beide bei der DKMS registrieren lassen und beide in diesem Jahr Stammzellen gespendet: Marco Rauthe (links) und Lars Paradies.

Schwalm-Eder. Immer mehr Menschen kämpfen gegen Blutkrebs: Seit 1991 haben sich 13.067 Menschen in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert.

133 von ihnen haben bereits Stammzellen gespendet. Allein in den vergangenen zwei Jahren sind im Landkreis mehr als 5200 potenzielle Stammzellenspender hinzugekommen. Im Oktober 2013 waren noch 7814 Menschen aus dem Kreis bei der DKMS erfasst.

Aus Neukirchen stehen derzeit 3887 Menschen in der Datei, aus Borken 3463. 1065 potenzielle Stammzellenspender kommen aus Homberg und 1034 aus Fritzlar.

In der Vergangenheit gab es immer wieder große Typisierungsaktionen im Landkreis. Eine der größten fand 2009 auf Initiative der Kreissparkasse statt. Eine Mitarbeiterin war an Leukämie erkrankt. 3189 Menschen wollten ihr und anderen Blutkrebspatienten helfen und ließen sich typisieren. 2010 hat die VR-Bank Schwalm-Eder eine Typisierungsaktion gestartet. Zwei Mitarbeiter haben in diesem Jahr Stammzellen gespendet.

Beim Tag der Bundeswehr im Juni hatte die DKMS zu einer Typisierung für einen 13-jährigen Fritzlarer aufgerufen. Auf dem Gelände der Georg-Friedrich-Kaserne und im Stiftssaal Alte Waage ließen sich 674 Menschen typisieren.

Damit Menschen sich registrieren lassen, müssen sie direkt oder indirekt betroffen sein, erklärt Julia Runge von der DKMS. Eine wichtige Rolle spielen soziale Netzwerke wie Facebook. „Auf Spendenaufrufe für Kinder haben wir eine unglaubliche Resonanz“, sagt Runge. Wenn ein Aufruf oft geteilt und verbreitet werde, gingen am nächsten Tag bis zu 1000 Bestellungen für das Registrierungs-Set ein.

In diesem Jahr haben sich in Hessen mehr als 33.000 Menschen registrieren lassen. Landesweit sind 350 000 Menschen erfasst.

"Das ist ein tolles Gefühl"

In ihrem Beruf haben sie täglich mit Zahlen zu tun. Doch die gemeinsame Geschichte von Marco Rauthe und Lars Paradies lässt sich mit Fakten nicht erklären. Was sie verbindet, klingt geradezu unwahrscheinlich. Beide haben sich im Jahr 2010 bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen - und beide haben in diesem Jahr Stammzellen gespendet.

Es ist das Schicksal einer Kollegin, das die beiden Mitarbeiter der VR-Bank Schwalm-Eder 2010 bewegt. Die Frau erkrankt an Blutkrebs, ist auf einen Stammzellenspender angewiesen. Doch es gibt keinen passenden. Spontan organisiert ihr Arbeitgeber eine Typisierungsaktion. Lars Paradies und Marco Rauthe überlegen nicht lange und lassen sich registrieren. „Ich fand das eine gute Sache“, sagt Rauthe.

Beide Angestellten drücken ihrer Kollegin die Daumen, doch die Typisierung vergessen sie schnell. Bis sie Jahre später jeweils einen Brief von der DKMS erhalten. Die wichtige Nachricht: Paradies und Rauthe kommen als Spender in Frage. „Ich war sehr überrascht“, erklärt Lars Paradies. Für beide ist sofort klar: Sie wollen helfen. Sie gehen zum Hausarzt, lassen sich durchchecken. Doch beide bekommen kurzfristig eine Absage. Ob die Gewebemerkmale doch nicht übereinstimmen oder die Patienten inzwischen verstorben sind, erfahren sie nicht.

In diesem Frühjahr meldet sich die DKMS erneut. Und dieses Mal passt alles. Rauthe und Paradies können spenden. Sie fahren „ohne Angst“ zur Stammzellenspende nach Köln.

„Natürlich fragt man sich, wo die Spende hingeht“, erklärt Paradies. Zwei Tage später die Gewissheit. Seine Stammzellen sollen einem 33-jährigen Finnen helfen, wieder gesund zu werden. „Das ist ein tolles Gefühl“, sagt Paradies. Schließlich sei der Empfänger in seinem Alter. „Man fragt sich schon, wie es seiner Familie geht.“

Die Antwort darauf wird er nie erfahren. „In Finnland ist der Datenschutz sehr streng“, erklärt Paradies. Zwischen Spender und Empfänger ist kein Kontakt möglich. Nach einem Jahr kann Paradies noch einmal bei der DKMS nachfragen, wie es dem Finnen geht. Mehr nicht.

Bei Marco Rauthe sind die Voraussetzungen andere. Seine Spende geht an eine 74-jährige Amerikanerin. Mehr weiß der 36-Jährige über seinen „genetischen Zwilling“ bislang nicht. Aber die Datenschutzbestimmungen sind in den USA lockerer. Ein anonymer Briefkontakt ist möglich. Rauthe wird den Kontakt aber nicht suchen. „Ich möchte mich nicht aufdrängen“, sagt er. Ihre Spenden waren für Paradies und Rauthe nämlich vor allem eines: „eine Selbstverständlichkeit“.

Quelle: HNA

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