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Schwalm-Eder wird XL-Pfarrei: Katholische Kirche vor großer Fusion

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Von: Maja Yüce

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Der Dom St. Peter in Fritzlar.
Der Dom St. Peter in Fritzlar. © Daria Neu

Aus 11 mach 1: Die katholische Kirche will die Zahl ihrer Pfarreien in der Region radikal reduzieren. Nach den Plänen des Bistums Fulda wird es dann im Schwalm-Eder-Kreis eine große XL-Pfarrei geben.

Schwalm-Eder – Derzeit sind im Landkreis sechs Pfarrer, fünf Gemeinde-Referentinnen und -Referenten sowie ein Diakon in elf Pfarreien beziehungsweise Pfarrkuratien für rund 20 000 Katholiken tätig. Die künftige Pfarrei soll dann ein Priester als Pfarrer leiten, der sich mit einem Team von hauptberuflichen pastoralen Mitarbeitenden – also weiteren Priestern, Pastoral- und Gemeinde-Referentinnen und -Referenten sowie Diakonen, um die Seelsorge kümmert.

„Zusätzlich wird eine hauptberufliche Verwaltungsleitung bestellt, um die Verwaltungsaufgaben zu konzentrieren und den Seelsorgenden so mehr Zeit für die Seelsorge zu ermöglichen“, erklärt ein Sprecher des Bistums Fulda. Wer genau welche Aufgaben übernehme, werde noch entschieden. Innerhalb der einen für den Schwalm-Eder-Kreis vorgesehenen Pfarrei werde es aber aufgrund der Größe des Landkreises voraussichtlich mehrere zentrale Orte geben.

Grund für die räumliche und inhaltliche Neuausrichtung seien die gesellschaftlichen, personellen und finanziellen Veränderungen. Also: sinkende Mitgliederzahlen, Priestermangel und ein Spardiktat im Bistum. Einen Stichtag für die Neustrukturierung gibt es nicht. Jede Pfarrei habe auf dem Weg dorthin ihren individuellen Zeitablauf.

Ziel: 28 Pfarreien im Bistum Fulda

Von den Veränderungen ist nicht nur der Schwalm-Eder-Kreis betroffen. Die Fusionspläne sehen vor, dass aus den bislang 193 Pfarreien des Bistums Fulda insgesamt 28 werden. Bis in die 2030er Jahre hinein sollen individuelle, auf die örtliche Situation zugeschnittene Pfarreien gegründet werden, heißt es vom Bistum Fulda. Das Bild der künftigen Bistumskarte habe sich nach langen und intensiven Informationsveranstaltungen mit Beteiligungsmöglichkeiten entwickelt. 

„Es ist positiv, dass es keinen Zeitdruck gibt“, sagt Dechant Simon Graef (Gudensberg). Allerdings gebe es in den Gemeinden unterschiedliche Reaktionen auf die geplante Veränderung. „Manchen bereitet sie Sorgen, andere sehen sie als Chance“, sagt Graef. Ein Problem sei, dass es noch keine eindeutigen Vorgaben zur neuen Organisationsstruktur gebe. Das verunsichere zum Beispiel Ehrenamtliche in Pfarr- und Verwaltungsräten. Es sei ein engagiertes Mitdenken und Ringen um gute Lösungen, so ein Bistumssprecher.

Neben dem neuen Zuschnitt der Pfarreien als Organisationseinheit und den Personalfragen gehe es vor allem darum, die Strukturen mit Leben zu füllen. Eine wichtige Rolle spiele dabei eine stärkere Vernetzung unterschiedlicher Akteure und Angebote innerhalb der Pfarrei aber auch über Pfarreigrenzen hinweg. Den Betroffenen vor Ort wolle man dabei einen großen Gestaltungsspielraum überlassen.

Fragen und Antworten zu den Fusionsplänen der katholischen Kirche

Räumlich und auch inhaltlich wird sich in den nächsten Jahren einiges im Bistum Fulda – und somit auch bei den katholischen Kirchen im Schwalm-Eder-Kreis – verändern. Die aktuell elf Pfarreien im Landkreis sollen zu einer verschmelzen. Damit wäre die Pfarrei im Schwalm-Eder-Kreis die flächenmäßig größte im Bistum Fulda. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

Worum geht es bei der Pfarreientwicklung im Bistum Fulda?

Gesellschaft und Kirche haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. „Das Bistum Fulda stellt sich den Herausforderungen. Im Kern geht es darum, wie Menschen heute zum Glauben und tiefer in den Glauben finden können. Pfarreien sind dabei der organisatorische Rahmen“, teilt das Bistum mit. Und weiter: „Zur Realität gehört dabei auch, dass wir in Zukunft weniger Priester, weniger Gläubige und weniger finanzielle Mittel haben werden. Größere Einheiten sind darum auch strukturelle Antworten auf diese Herausforderungen.“ Der Schwalm-Eder-Kreis wird mit seiner Pfarrei dann die flächenmäßig größte Pfarrei bilden.

Wie stehen die Akteure der Pfarreien im Schwalm-Eder-Kreis zu den Fusionsplänen?

„Es gibt unterschiedliche Reaktionen“, sagt Simon Graef, Dechant der katholischen Kirche im Schwalm-Eder-Kreis. Die Verunsicherung sei bei einigen Akteuren groß. Ein Problem sei, dass es noch keine eindeutigen Vorgaben für die neuen Organisationsstrukturen gebe. Das führe zu Sorgen bis hin zu Ängsten bei einigen Ehrenamtlichen und auch Hauptamtlichen. „Es ist der Lauf der Zeit“, sagt Graef. Positiv sei, dass man nicht unter Zeitdruck stehe und man wohl überlegt die nächsten Schritte gehe, sagt Graef (Gudensberg), der Vermittler zwischen den Pfarreien und dem Bischof des Bistums Fulda ist.

Was ist positiv an der Fusion der Pfarreien?

„Es muss nicht mehr jeder alles können und leisten“, sagt Graef. Derzeit gehe zum Beispiel für die Pfarrer viel Zeit für die Verwaltungsarbeit drauf. Wenn es eine Verwaltungszentrale gebe, dann sei die für diesen Bereich zuständig und die Pfarrer hätten dann mehr Zeit für die Seelsorge. „Man nennt das heute Kompetenzen bündeln“, sagt Graef.

Wo wird diese Verwaltungszentrale denn entstehen?

Das stehe noch nicht fest. Es müsse jedenfalls nicht zwangsläufig Fritzlar sein, weil dort der Dom stehe, erklärt Graef. Denkbar wäre auch, eine solche Verwaltungszentrale in Homberg, der Kreisstadt, zu installieren, wo auch die Kreisverwaltung angesiedelt sei. Dann wäre zum Beispiel die Verwaltung der katholischen Kirche im Landkreis rein technisch gesehen in Homberg, aber es gebe weitere zentrale Einheiten.

Was sind denn solche zentralen Einheiten und welche könnten das sein?

Als Beispiele nennt Graef Fritzlar mit dem Dom und dem Dommuseum, Trutzhain als Wallfahrtsort und Melsungen als sehr aktive Pfadfindergruppe. „Wir werden nicht zentralisieren, was schon da ist und auch funktioniert“, sagt Graef. Es gehe vielmehr darum, weiterhin und möglichst mehr Gemeinschaft zu ermöglichen.

War die Arbeit bisher nicht gut genug?

„Nein, ganz im Gegenteil. Dass es so viele Engagierte gibt und dass wir in der Lage sind, aktiv uns den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu stellen, hat viel damit zu tun, dass es sehr viel Engagement gibt“, so das Bistum Fulda.

Wie sollen die Akteure vor Ort diese große Umstrukturierung denn bewältigen?

Keine Pfarrei werde allein gelassen. „Das Bistum Fulda gibt Hilfestellungen und Tipps, lässt den einzelnen Akteuren dabei aber auch viele Gestaltungsspielräume vor Ort“, heißt es. Vor allem würden sich die Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten weiterentwickeln: „Die Pfarrer bekommen Unterstützung für die Verwaltung und Organisation, mitarbeitende Priester und Diakone sowie Gemeinde- und Pastoralreferenten/innen unterstützen sie in der Seelsorge, auch das Ehrenamt wird gestärkt.“

Gibt das Bistum Fulda die Strukturen vor oder gibt es auch Mitspracherecht für die Beteiligten vor Ort?

Im Dialog seien im gesamten Bistum Fulda zahlreiche Anregungen, Vorschläge und Wünsche aus den heutigen Pfarreien für die künftige Entwicklung berücksichtigt worden. „Das Bistum Fulda dankt allen Beteiligten für ihr engagiertes Mitdenken und Ringen um gute Lösungen. Dort, wo es unterschiedliche Positionen zwischen einzelnen Pfarreien gab, konnte in der Entscheidungsfindung – wie bei jedem komplexen Vorgang mit unterschiedlichen Standpunkten – am Ende nicht jede einzelne Vorstellung umgesetzt werden“, so das Bistum Fulda.

Und wie werden die Strukturen in den neuen Pfarreien geregelt sein?

Bei der Frage nach den Strukturen in den neuen Pfarreien – etwa zu Gremien, Entscheidungswegen und mehr – werde es weitere Beratungen geben. Dabei sollen dann auch erste Erfahrungen aus den dann neu gegründeten Pfarreien und den bereits bestehenden Teil-Zusammenschlüssen berücksichtigt werden, heißt es vom Bistum Fulda. Außerdem sollen weitere Impulse etwa aus dem Synodalen Weg mit einfließen.

Welche Pfarreien gibt es aktuell im Landkreis?

Bislang gibt es elf katholische Pfarreien und Pfarrkuratien im Landkreis. Diese sind: Pfarrei Christkönig Borken, Pfarrei Christus-Epheta Homberg, Pfarrei Herz Jesu Gudensberg, Pfarrei Mariae Himmelfahrt Melsungen, Pfarrei St. Peter Fritzlar, Pfarrkuratie Hl. Geist Schwalmstadt-Neuental, Pfarrkuratie Marie Hilf Trutzhain, Pfarrkuratie Mariae Namen Gensungen, Pfarrkuratie St. Elisabeth Spangenberg, Pfarrkuratie St. Josef Schwalmstadt-Neukirchen und die Pfarrkuratie St. Wigbert Wabern.

(Maja Yüce)

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