Zum Tag der Deutschen Einheit

Von der Schwalm nach Dresden: Markus Dickel zog in die sächsische Hauptstadt

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Vor dem Blauen Wunder: Markus Dickel aus Röllshausen lebt seit 19 Jahren in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden.

Verstanden hat er sie von Anfang an, die Dresdner, erzählte Markus Dickel. Auch mit dem sächsischen „Nu“ (Es bedeutet Ja. Anmerk. d. Red.) kam der 47-Jährige zurecht. Der Röllshäuser nennt das Elbflorenz sein Zuhause: Dickel lebt seit 19 Jahren in Dresden.

Im September 1994 zog Markus Dickel mit seiner Frau nach Sachsen. Nach Lehre und Studium wollte er in einer Bank arbeiten, zur Wahl standen Berlin, Leipzig und Dresden. Die Entscheidung fiel zugunsten der sächsischen Landeshauptstadt: „Nachdem ich mich mit dem Gedanken angefreundet hatte, nicht mehr jedes Wochenende in der Schwalm zu verbringen.“

Das Paar hat sich rasch eingelebt: Die Dresdner seien sehr offen. Er als Schwälmer habe allerdings lernen müssen, mehr aus sich herauszugehen. Vorurteile wurden mit einem Gespräch beigelegt. „Den Zugang zu den Sachsen findet man über ihren Humor und ihren Dialekt, den man schon mögen muss“, sagte der Röllshäuser.

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Familie Dickel mag den Dialekt, der elfjährige Sohn scherzt gern mit seinem Vater am Abendbrottisch auf Sächsisch. Markus Dickel belegte sogar einen Kurs: Sächsisch für Wessis. „Den habe ich mit einem Diplom abgeschlossen“, erzählte er und lachte.

An das Leben in einer Großstadt gewöhnten sich die Schwälmer: Der Sohn geht zu Fuß in die Schule, rasch ist das Paar am Blauen Wunder zum Einkaufen. Dresden ist eine wirtschaftlich florierende, grüne und architektonisch eindrucksvolle Stadt.

„Der einzige Nachteil an Dresden ist, dass es so weit weg von der Schwalm liegt.“ 380 Kilometer trennen die Familie von der Heimat. Heimat ist für den Röllshäuser dort, wo er geboren ist und seine Kindheit verbrachte. „Mein Zuhause ist immer da, wo meine Familie ist – also Dresden.“

Besucht der Enkel die Großeltern in den Ferien, werden West- und Ostpäckchen gepackt. Die Schwiegermutter lässt es sich nicht nehmen, die Dresdener mit Quetschemus zu versorgen, Mutter Dickel packt neben Schwälmer Brot auch Stracke ein. Vor Weihnachten gibt es im Gegenzug Christstollen für die Schwälmer.

In den Kategorien Ossi und Wessi denkt der Röllshäuser nicht. „Wir sind ein Land“, sagte Markus Dickel, da gebe es von Ost nach West genauso viele Unterschiede wie von Nord nach Süd. Stünde heute wieder die Frage für die Familie an: Dresden ja oder nein? „Wir würden wieder so entscheiden.“ (cls)

Quelle: HNA

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