Historisches unterhaltsam verpackt

Schwalm-Touristik bietet ab sofort besondere Stadtführungen an

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Schlüpft in die Rolle der Hebamme Ursula: Jenny Wagner, ist in Ziegenhain als neue Stadtführerin unterwegs, um den Menschen Geschichte durch Geschichten zu erzählen. 

Ziegenhain. Die Schwalm-Touristik geht neue Wege: Stadtführerin Jenny Wagner erzählt künftig aus Sicht der Hebamme Ursula Geschichte durch Geschichten – eine Kaplanstochter, die sich in einen verheirateten Unteroffizier verliebt und mit ihm durchbrennt.

Die Vorzüge, eine Apotheke gleich neben der Kasernenküche in der Stadt zu haben oder das Schicksal der Anna Martha Michel aus Frielendorf, die von einem Soldaten vergewaltigt wurde, aus Verzweiflung ihr Kind umbrachte und der man den Prozess machte.

Geschichten wie diese sollen die Besucher ins 16. Jahrhundert versetzen. „Ich unterhalte gern Leute“, sagt die neue Stadtführerin. Wissen auf unterhaltsame Weise zu vermitteln ist ihr Anliegen – und dies gelingt ihr auch. „Edutainment heißt auf neudeutsch, was ich mache“, eine Mischung also aus „Education“ (Bildung) und „Entertainment“ (Unterhaltung). Dabei kommt es ihr auch nicht auf die genaue historische Abfolge an, mehr auf die Geschichte aus Geschichten. Unterstützt von Hannelene Staloch, die seit vielen Jahren Besucher durch Ziegenhain führt, hat sie den Rundgang konzipiert. In Alsfeld vermittelt die ehemalige Ottrauerin seit fünf Jahren Besuchern einen neuen Blick auf die Fachwerkstadt. Die Idee für die Figur der Hebamme Ursula kam von Dekan Christian Wachter.

Ihr Anliegen ist es, nicht nur Leute von weit weg dazu zu bekommen, sich für Ziegenhain zu interessieren, sondern auch den Leuten aus dem Landkreis ihre Heimat näher zu bringen.

Vom Modell der Festung neben dem Büro der Schwalm-Touristik ging es bei ihrer Premiere am Steinernen Haus vorbei zum ehemaligen Kornhaus, der Apotheke, der Küche der Kaserne zurück zum Paradeplatz, umringt von der Kirche, der ehemaligen Festungsschule und dem Landgrafenschloss, bis die Gruppe schließlich vor einer schmucken Fachwerkfassade stehen bleibt. Es ist das ehemalige Hebammen- oder Geburtshaus. Seit 1994 ist es in Besitz von Christa Becker, die die historische Eingangstür und die Fassade liebevoll erhalten hat.

Bei den knapp 20 Besuchern kam die erste Themenführung gut an. „Es hat mir sehr gut gefallen“, sagte Klaus Bechtel (Merzhausen). Kein Zweifel: Die 31-Jährige machte ihre Sache so gut, dass es fast schade war, dass die Führung wie im Flug verging. Schon nach 30 Minuten verabschiedete sie ihre Gäste und ließ sie zum Teil etwas verdutzt zurück. Interessant, anschaulich, enthusiastisch vorgetragen habe sie es erlebt, „aber eine halbe Stunde ist zu wenig“, sagte Irmhild Röder, die aus Jesberg nach Ziegenhain gekommen war.

„Da ist sicher noch Luft nach oben und es wird noch etwas ausgebaut“, sagte Jenny Wagner nach ihrer Premierenführung – glücklich, dass sie keinen Hänger hatte und bei den Besuchern so gut ankam.

Quelle: HNA

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