Firma Optelec entwickelt und produziert Hilfsmittel für Sehbehinderte

Ist selbst vor vielen Jahren erblindet: Geschäftsführer Werner Schwegler (55) mit dem neu entwickelten Lesegerät, das einem Tablet oder E-Book ähnelt. Fotos:  Rose

Schwalmstadt. Die Firma Optelec aus Treysa produziert Hilfsmittel für Blinde. Die neue Entwicklung ist ein Lesegerät. Geschäftsführer Werner Schwegler ist selbst vor vielen Jahren erblindet.

Etwa 62 Prozent der Deutschen tragen eine Brille, um wieder einwandfrei sehen zu können. Was für die meisten die Lösung ihres Sehproblems bedeutet, reicht leider nicht für alle aus: Manche Menschen haben eine so geringe Sehschärfe, dass selbst die Brille nur bedingt Abhilfe schaffen kann. Andere sind blind und müssen sich im Alltag auf die beiden Sinne Hören und Fühlen verlassen. Die deutsche Niederlassung der Firma Optelec in Treysa hat sich auf solche Hilfsmittel für Sehbehinderte und Blinde spezialisiert: Seit 25 Jahren werden in der Firma Geräte entwickelt, produziert und zu Händlern in der ganzen Welt verschickt. Geschäftsführer Werner Schwegler weiß, wovon er redet: Er selbst ist vor vielen Jahren erblindet. „Ich musste lernen, mein Leben neu zu organisieren und den Alltag zu meistern“, sagt der 55-jährige gebürtige Augsburger.

Als eines der ersten Unternehmen der Branche (siehe Entwicklung) brachte der Gründer die patentierte Piezobrailletechnologie auf den Markt. Dadurch konnten erstmals elektromechanische Braillemodule - Braille hieß der Erfinder der Blindenschrift - mit kleinsten Abmessungen und geringem Stromverbrauch hergestellt werden. „Die Menschen sind mobiler geworden. Das ist auch bei den Alltagshilfen enorm wichtig geworden“, erläutert Schwegler. Modernste Technik ermöglicht es, zu lesen, Fotos zu betrachten, am Computer zu arbeiten, sogar Unterschriften zu setzen. Elektronische Lupen im Handyformat gehören zu den kleinsten elektronischen Lesehilfen mit vollautomatischer Bedienung. Aktuell hat das Unternehmen ein Vorlesegerät revolutioniert. „Wichtig ist, dass das Gerät keine stigmatisierende Außenwirkung hat“, erklärt Schwegler. Deshalb ähnele das neue Lesegerät einem Tablet.

Wichtig ist dem Geschäftsführer auch die umfassende Beratung, die Betroffene, aber auch deren Angehörige einschließt. „Wir geben Auskunft über Beratungsstellen und klären über mögliche Hilfen auf.“ Es sei immer ein Prozess, sich selbst auch einzugestehen, dass man Hilfe brauche, weiß Schwegler. 90 Prozent der Kunden seien älter als 65 Jahre. „Aber für alle stellt der Verlust der Sehkraft eine große Belastung dar.“ Etwa 80 Prozent der Betroffenen wüssten zudem nicht, dass es Hilfsmittel gebe. „Ein nicht stigmatisierendes Design erhöht die Akzeptanz und erleichtert Betroffenen die Benutzung“, ist der Geschäftsführer überzeugt.

Mit Niederlassungen in Belgien, Kanada, Großbritannien und in den USA sowie Händler in 70 Ländern operiert das Unternehmen weltweit. Die Niederlassung in Treysa hat ihren Umsatz in den vergangenen fünf Jahren um 40 Prozent gesteigert und beschäftigt 50 Mitarbeiter.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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