Hochwasser ist für Tiere und Pflanzen im Rückhaltebecken normal und nützlich

Schwalmstadt: Hochwasser spült Müll durchs Becken

Das Wasser ist fast weg: Peter Kugler (links) vom Wasserverband Schwalm und Naturschützer Jürgen Holland-Letz sehen in der Wasserstauung als ökologisch sinnvoll an. Foto: Schorn

Schwalmstadt. Das zweithöchste Hochwasser in der Schwalm seit dem Bestehen des Wasserrückhaltebeckens in Schwalmstadt ist zurückgegangen. Das Becken ist fast leer gelaufen. Doch welche Folgen hat das künstlich gestaute Wasser?

Ist es für die Natur innerhalb des 500 Fußballfelder großen Beckens und für dessen Bewohner schädlich? Nein, sagen Peter Kugler, Betriebsleiter des für die Stauung zuständigen Wasserverbands Schwalm, und Jürgen Holland-Letz von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz übereinstimmend.

„Die Stauung des Wassers ist ökologisch sinnvoll“, stellt Kugler vielmehr fest. Und Jürgen Holland-Letz fügt hinzu: „Das ist sogar wünschenswert. Denn regelmäßiges Hochwasser gehört zu einer intakten Auenlandschaft.“ Die Tiere und Pflanzen, die innerhalb des Beckens leben, seien an die wiederkehrenden Überflutungen angepasst. „Sie brauchen sie sogar“, erklärt Holland-Letz. Denn durch das Hochwasser würden die Flächen im Becken beispielsweise gedüngt.

Zwar komme es durch das Wasser auch immer wieder mal zu Schäden an den Ackerflächen, die im Rückhaltebecken liegen. Die betroffenen Bauern würden jedoch vom Wasserverband entschädigt. Dafür ist dann jedes Mal ein Gutachter vom Landwirtschaftsamt notwendig.

„Mäuse und Maulwürfe sterben auch durch das gestaute Wasser und Fische bleiben in Flutmulden zurück“, sagt der Naturschützer. „Aber auch das ist ein natürlicher Vorgang.“ So seien die ertrunkenen Tiere Futter für Vögel wie den Kormoran, den Grau- und den Silberreiher. „Nach dem Hochwasser ist das Areal des Rückhaltebeckens ein Schlaraffenland für die Vögel“, sagt Holland-Letz.

Denn das Gelände des Rückhaltebeckens, das seit 2004 EU-Vogelschutzgebiet ist, sei ein wichtiges Nahrungsareal. „Daher sehen wir auch nicht angeleinte Hunde im Becken mit Sorge, da sie Bodenbrüter aufschrecken“, erläutert Jürgen Holland-Letz.

Doch die Flutung des Wasserrückhaltebeckens in Schwalmstadt bedeutet auch viel Arbeit - beispielsweise für Peter Kugler und seine fünf Mitarbeiter vom Wasserverband Schwalm. „Ab März räumen wir das Gelände auf, befreien es von angeschwemmten Ästen und Müll“, erzählt Kugler. Zwei bis drei Wochen dauern die Aufräumarbeiten. „Im vergangenen Jahr waren es 30 Lkw-Ladungen voll Unrat“, erzählt Kugler.

Dabei muss der von Menschen verursachte Müll, der auch von den Beckenzuflüssen der Schwalm, Grenff und Antrift in das Becken gespült wird, fein säuberlich getrennt werden. Zudem müssen die Pumpwerke des Wehres kontrolliert und die Dammanlagen gewartet werden.

„Damit wir beim nächsten Hochwasser alles wieder hinbekommen“, sagt Peter Kugler. Denn ohne das etwa 40 Jahre alte Rückhaltebecken ständen große Teile von Schalmstadt unter Wasser.

Von Michael Schorn

Quelle: HNA

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