Jungdesignerin Michelle Dietz spricht über ihren Beruf und aktuelle Trends

Schwarz geht immer

Ein Händchen für Mode: Designerin Michelle Dietz aus Treysa näht für jedermann. Ihr Credo: Jeder soll sich in seinen Kleidern wohl fühlen, statt Trends hinterher zu laufen. Foto: Paul

Treysa. Mode hat nicht nur damit zu tun, was im Kleiderschrank hängt. Sie ist abhängig von Trendsettern und kreativen Ideen der Designer. Doch wohin entwickelt sich die Modebranche aktuell?

Wir haben über dieses Thema mit der Jungdesignerin Michelle Dietz (23) aus Treysa gesprochen.

Frau Dietz, gibt es für Sie als Designerin ein Kleidungsstück, das sich absolut nicht mehr verbessern lässt?

Michelle Dietz: Auf keinen Fall. Die Geschichte hat gezeigt, dass Mode sich immer und überall in Bewegung befindet. Alles entwickelt sich von Schnittmustern über Stoffe hin zu Farben. Auch die Figuren der Menschen ändern sich. Wenn man kreativ ist, kann man selbst Mützen und Socken modisch aufpeppen.

Sie sagten eben, dass sich die Figuren der Menschen verändern. Sind Magermodels und Size Zero (Größe Null) für Designer immer noch ein Muss?

Dietz: Ich glaube, die meisten Designer denken hier langsam um. Sie orientieren sich zu Models, die zwar schlank sind, aber weibliche Rundungen haben. Das spricht auch die Kundschaft an. Denn gefragt ist individuelle Mode für jedermann und jede Frau, nicht für Hungerhaken.

Ist der Konkurrenzdruck in der Modebranche dann nicht extrem hoch?

Dietz: Ein ganz klares Ja. Wobei es in den Städten noch schwerer ist als auf dem Land. Man muss sich wirklich abheben, darf den Leuten aber ihren Kleidungsstil lassen. Im Prinzip ist es wie in einem guten Frisörladen: Man muss ein breites Angebot haben, exzellente Arbeit liefern und das im Idealfall noch für wenig Geld.

Das klingt hart. Wieso sind Sie dann Designerin geworden? Geldverdienen ist sicher in anderen Berufen leichter.

Dietz: Ich hänge mit Herzblut daran, es geht nicht ums Geld. Schon als Kind habe ich meine Mutter wahnsinnig gemacht, weil ich modisch passende Kleider haben wollte. Das zeichnerische Talent habe ich von den Männern in der Familie. Als Designerin kann ich tun, was mir liegt, was ich liebe – und ich kann mir treu bleiben.

   Eigene Stiltreue scheint Ihnen wichtig zu sein. Allerdings orientieren Sie sich sicherlich auch an anderen Designern, oder?

Dietz: Ja und nein. Mein größtes Idol ist der deutsche Designer Philipp Plein. Was er mit kleinen Mitteln wie Totenkopf, Nieten, Leder und Strass erreicht, ist unglaublich. Und er deckt alles von rockig über glamourös bis extravagant ab. Allerdings kopiere ich ihn nicht. Wir arbeiten nur gern mit den gleichen Materialien.

   Also geht der rote Faden in Ihren Stücken auch in diese Richtung?

Dietz: Wenn ich für mich selbst nähe, dann ja. Ich liebe Leder und Nieten. Und schwarze Stoffe gehen sowieso immer. Bei Auftragsarbeiten passe ich mich an die Kundenwünsche an und ergänze sie mit Verbesserungsvorschlägen, die mir gerade im Kopf herum spuken.

    Sie sprechen gerade die Kunden an. Was bezahlt man für ein Kleidungsstück von Ihnen?

Dietz: Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen. Natürlich kostet ein Designerstück mehr als ein T-Shirt vom Discounter. Aber ich berechne nur Arbeitsstunden und Material, schließlich will ich niemanden ausnehmen oder meinen Namen bezahlt wissen.

    Wo liegen denn die aktuellen Modetrends?

Dietz: Hochbundhosen, bauchfreie Oberteile und Röcke mit langem Überrock. Allerdings sollte man nicht jeden Trend mitmachen, bloß weil gerade etwas angesagt ist. Man muss sich modisch treu bleiben und in seiner Kleidung wohlfühlen.

    Eine letzte Frage: Welche Tipps würden Sie Leuten mit auf den Weg geben, die selbst Modedesigner werden wollen?

Dietz: Gut zeichnen und nähen zu können, sind erst einmal die Grundlagen. Außerdem muss man kreativ sein und gleichzeitig in seinem Stil individuell bleiben. Wer sich nicht davon abschrecken lässt, als Berufseinsteiger mit Rückschlägen und wenig Gewinn klar kommen zu müssen, kann es als Designer schaffen.

• Kontakt: bei Facebook unter Michelle Dietz aus Schwalmstadt-Treysa oder E-Mail an dietzmichelle@web.de

Von Jasmin Paul

Quelle: HNA

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