Nutzungsverbot noch diesen Monat?

Haus im Knüll entwickelt sich zu Seminarzentrum für rechte Szene

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Idylle mit Rissen: Das ehemalige Roeder-Anwesen, das Haus Richberg, am Knüllköpfchen ist inzwischen wieder ein Treffpunkt der Neonazi-Szene. Offenbar gibt es dort regelmäßig Seminare.

Schwarzenborn. Der einstige Roeder-Hof in Schwarzenborn etabliert sich zum Treffpunkt der braunen Szene. Das Haus Richberg wird offenbar nicht mehr nur privat, sondern auch für Seminare genutzt.

Der umtriebige Neonazi-Aktivist Meinolf Schönborn lädt dort offenbar überregional regelmäßig zu Seminaren ein. Der Schwalm-Eder-Kreis hofft nun, ein Nutzungsverbot aussprechen zu können - und zwar möglichst schnell.

Vor vier Jahren hatte die Tochter der international bekannten Holocaust-Leugnerin Lady Michèle Renouf das Anwesen am Knüllköpfchen, das einst dem inzwischen verstorbenen Rechtsterroristen Manfred Roeder gehörte, erworben. Inzwischen präsentiert sich das Haus Richberg, in der rechten Szene früher auch als „Reichshof“ bekannt, im edel renovierten Landhausstil.

Nachbarn berichten übereinstimmend, dass immer wieder auch die britische Lady Renouf in Schwarzenborn anwesend sei. Den Hausherrn im braunen Seminarzentrum mimt laut unserer Internetrecherche allerdings Meinolf Schönborn. Der Neonazi aus Westfalen wird auch mit dem rechten Untergrund in Verbindung gebracht.

Kürzlich hatte der rechte Drahtzieher öffentlich zum Knüll-Forum in das Haus Richberg eingeladen. Im Online-Auftritt des braunen Magazins "Recht und Wahrheit" wurde das Forum "Martin Luther ein deutscher Revolutionär?!" beworben. Dabei sollte es um Luther und seinen Einfluss auf das deutsche Nationalbewusstsein gehen. Stattgefunden hatte das Forum vom 31. März bis 2. April 2017 im Knüll - so ist es auch auf dem Anmeldeformular angegeben. Nachbarn beobachteten, dass „ältere Herren“ mit circa 20 Autos angereist waren. Registriert wurde auch, dass offenbar Polizei die Lage beobachtete und sich Kennzeichen notierte. Herausgeber des Magazins "Recht und Wahrheit" ist übrigens Meinholf Schönborn selbst - und zwar seit 1984.

Dieses PDF ist noch immer im Internet aufrufbar: Es zeigt ein Formular, mit dem sich Interessenten für das Forum "Martin Luther ein deutscher Revolutionär?!" im Knüll anmelden konnten. 

Polizeisprecher Markus Brettschneider bestätigt, dass die Polizei aktiv sei. Allerdings sei das nur eingeschränkt möglich, da das eingeladene Publikum sich auf Privatgelände befinde – und genau da will der Landkreis ansetzen: „Wir kommen zu dem Schluss, dass das Haus Richberg kein reines Wohnhaus mehr ist, sondern gewerblich genutzt wird“, erklärt Landrat Winfried Becker. Eine Anmeldung dafür liege nicht vor. 

Landrat Becker geht davon aus, noch in diesem Monat ein Nutzungsverbot aussprechen zu können.

Das Haus Richberg am Knüllköpfchen

Bis ins Jahr 2013 gehörte das Haus Richberg dem inzwischen verstorbenen Rechtsterroristen Manfred Roeder. Das Anwesen, das er „Reichshof“ nannte, war ein Treffpunkt und Schulungsort der neonazistischen Szene. Schon in den 1970er-Jahren wurden in dem Haus auch Sonnwendfeiern abgehalten. Roeder wurde mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt. Im Jahr 1982 war er in einen Anschlag auf ein Wohnheim für Ausländer in Hamburg verwickelt gewesen sein, der tödlich ausging. Dafür saß Roeder 13 Jahre im Gefängnis. Ihm wurde die Rädelsführerschaft zur Last gelegt. Bekanntheit erlangte Roeder auch dadurch, dass er der Anwalt von NSDAP-Politiker Rudolf Heß war. 

2013 erwarb das ehemalige Model Lady Michèle Renouf über ihre Tochter, Ludmilla Ivan-Zadeh, das Anwesen. Die 71-jährige britische Society-Dame wird auch als „Mutter Theresa der Holocaust-Leugner“ bezeichnet. Über den Kauf des Hauses Richberg wurden bislang nur wenige Details bekannt.

Der mehrfach verurteilte Seminargastgeber Meinolf Schönbor n (61) war Mitgründer der Partei Nationalistische Front und ist Aktivist in der nationalistischen Szene. Er war Stabsunteroffizier der Panzertruppe der Bundeswehr. Ursprünglich erlernte er den Beruf des Maschinenschlossers.

Lady Michèle Renouf

Michèle Renouf stammt aus Australien. Ihr Mädchenname lautet Mainwaring. In Australien wurde sie im Jahr 1946 geboren. Sie wurde 1968 zur Schönheitskönigin gewählt. Den Psychiater Daniel Ivan-Zadeh heiratete sie im Jahr 1970. Aus dieser Ehe stammt auch ihre Tochter Ludmilla Ivan-Zadeh, die das Haus im Schwalm-Eder-Kreis offiziell kaufte. Die Ehe wurde geschieden. Danach gab sie im Jahr 1990 Sir Francis Renouf, einem einflussreicher Geschäftsmann aus Neuseeland, das Jawort. Die Scheidung folgte 1991. Noch heute nennt sich die Unterstützerin von Holocaustleugner Lady Michèle Renouf. Sie behielt also den Adelstitel. 

Quelle: HNA

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