1,2-Millionen-Projekt wird von Widerspruchsverfahren blockiert

Schwarzenborner Ärztezentrum kämpft weiter mit Problemen

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Wolken über dem Ärztehaus in Schwarzenborn: Das Gebäude im Eselsweg wird bereits genutzt, für die Gründung eines kommunalen Medizinischen Versorgungszentrums fehlt allerdings immer noch der zweite Kassenarztsitz.

Schwarzenborn. Die formelle Gründung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ), das die Stadt Schwarzenborn betreiben will, ist ungewiss.

Notwendig dafür ist ein zweiter Kassenarztsitz in dem bereits bestehenden Ärztehaus. Der wird aktuell von einem Widerspruchsverfahren blockiert. Ein Berufungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) wird darüber in der kommenden Woche entscheiden. Der Arztsitz war von der KV bereits im Frühjahr in einem Auswahlverfahren an eine Gynäkologin vergeben worden. Gegen diese Entscheidung hat ein anderer Arzt Einspruch eingelegt. Das bestätigt auf Anfrage der HNA die KV. Aufgrund des Widerspruchsverfahrens sei unklar, ob der Sitz bei der Ärztin verbleiben werde, so Karl Roth, Pressesprecher der KV. Die Gynäkologin habe gegenüber dem Zulassungsausschuss der KV angegeben, diesen Arztsitz in das spätere Medizinische Versorgungszentrum einbringen zu wollen, erläutert Roth. Mit diesem aktuell laufenden Verfahren habe die Stadt Schwarzenborn formal nichts zu tun, erklärt Roth weiter, den Kassensitz habe die Gynäkologin beantragt. Das unterstreicht auch Schwarzenborns Bürgermeister Jürgen Liebermann: „Uns sind die Hände gebunden.“ Während in Gremien um eine Entscheidung gerungen wird, herrscht im Ärztehaus, das die Stadt errichtet hat, seit Mai bereits Betrieb. Dort praktiziert inzwischen ein Allgemeinmediziner, es gibt einen Physiotherapeuten, einen Pflegedienst und einen Selbstbedienungsbereich zweier Banken. Für den Betrieb des kommunalen MVZ reicht ein Arzt nicht aus. Fachärzte unterschiedlicher Fachrichtungen müssen dort tätig sein. Beim Baustart des Ärztehauses vor einem Jahr waren die Planer von Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro ausgegangen. Davon trägt die Stadt circa 800 000 Euro, der Rest wird gefördert.

Thema bei den Kommunen

Das besondere an dem für Schwarzenborn geplanten Medizinischen Versorgungszentrum ist, dass die Stadt den Betrieb übernehmen will. Die Stadt will nicht nur das Gebäude im Eselsweg in Richtung Grebenhagen und die Ausstattung der Praxis stellen, sondern auch Arbeitgeber für die Ärzte und das Fachpersonal sein. Damit zählt Hessens kleinste Stadt bundesweit zu den wenigen Kommunen, die dieses Neuland betreten. Laut Ärzte Zeitung beschäftigen sich zwar viele Kommunen mit dem Gedanken an ein kommunales MVZ, umgesetzt worden sei es bislang allerdings nur in Büsum in Schleswig Holstein, heißt es. 

Quelle: HNA

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