Schwarzstorch Merlin hat nun endgültige Prothese

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Beiseförth/Bockenem/Hessisch Lichtenau. Merlin hat ein neues Bein: Tierarzt Ralf Schweda hat dem schwer verletzten Storch, der im September in Kehrenbach gefunden worden war, in seiner Praxis in Bockenem eine feste Prothese verpasst.

Lange hatte das Team von Orthopädiemeister Alf Reuter aus Hessisch-Lichtenau und Tierarzt Ralf Schweda aus Bockenem an einer dauerhaften Prothese getüftelt, bis sie dann das Befestigungssystem entwickelt hatten - schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass sie einen einbeinigen Storch versorgen müssen.

Der vier Monate alte Jungvogel kam damals schwer verwundet zur Familie Rochelmeyer, die in Beiseförth eine Auffangstation für Greifvögel betreibt. Die Melsunger Tierärztin Dr. Carmen Hufnagel musste dem Schwarzstorch einen Teil des rechten Beines amputieren. Damals dienten noch Lockenwickler als erste Protheseattrappe. Ralf Schweda operierte das Tier erneut, er zog drei Titandrähte durch den Knochen - daran wird die Prothese befestigt und verschraubt wird.

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Doch der Weg dahin war lang und steinig: Ein Druckgeschwür am gesunden Bein und Wundheilungsstörungen am operierten Stumpf verhinderten, dass die Prothese dauerhaft eingesetzt werden konnte.

Seit ein paar Wochen ist nun alles verheilt und Merlin steht wieder mit beiden Beinen fest am Boden. Die neue Prothese besteht unter anderem aus einer hochfesten Aluminiumlegierung und Karbonfasermaterial. „Am Ende der Prothese befindet sich ein Gummistopfen, auf dem Merlin steht. Dieser Stopfen dient als Stoßdämpfer“, sagt Alf Reuter. Die Prothesenform folgt in erster Linie der Funktion - das ist Reuter ganz wichtig. Ihm ging es nicht um eine kosmetische Prothese, sondern um eine, die dem Storchenleben in jeder Hinsicht gerecht wird. Deshalb hat sie auch einen Stopfen am Ende: Mit einer künstlichen Kralle könnte das Tier an Wurzeln hängen bleiben - das wollten die Tüftler auf jeden Fall vermeiden.

Jetzt hat der Vogel wieder zwei Beine, aber dennoch weiß niemand, was aus ihm werden soll. Vielleicht kommt er in einen Zoo, vielleicht bleibt er bei Tierarzt Ralf Schwede in Bockenem.

Auch für Alf Reuter ist die spannende Geschichte noch nicht zu Ende. Viele Hundebesitzer, deren Tiere ebenfalls ein Bein verloren haben, sind auf die neuartigen Prothesen aus Hessisch-Lichtenau aufmerksam geworden. Erfinder Alf Reuter kommt damit in der nächsten Zeit also ganz bestimmt aus dem Tüfteln nicht heraus. Weitere Informationen zu dem verletzten Storch und seinen Rettern:
www.greifvogelauffangstation-malsfeld.de
www.team-schweda.de
www.otz-lichtenau.de

Von Christina Grenzebach

Quelle: HNA

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