Erektionsstörungen können ein Hinweis auf ernste Erkrankungen sein

Das Schweigen der Männer

Frank Ambrosch

Schwalm-Eder. „Obwohl wir in unserer Gesellschaft immer freizügiger mit Sexualität umgehen, ist das Sprechen über Erektionsstörungen trotzdem noch ein Tabuthema“, sagt Frank Ambrosch, Urologe aus Homberg. Dabei mache jeder Mann irgendwann im Laufe seines Lebens Erfahrungen mit Erektionsstörungen, die aber nicht behandelt werden müssten.

Denn als Krankheit zählten Potenzprobleme erst, wenn sie über einen Zeitraum von sechs Monaten bei regelmäßigen Geschlechtsverkehr mit einer Häufigkeit von über 70 Prozent auftreten. Dennoch könnten gelegentlich auftretende Erektionsstörungen ein Symptom für eine ernsthafte Erkrankung sein. Sie gäben einen Hinweis auf Durchblutungsstörungen wie sie bei Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems vorkommen. „Eine Erektionsstörung kann der erste Bote eines Herzinfarkts sein“, sagt der Facharzt. Deshalb sollte man Impotenz ernst nehmen und sich untersuchen lassen.

Manchmal reiche ein klärendes Gespräch, um die Ursache herauszufinden. Die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, beispielsweise zur Blutdrucksenkung oder Psychopharmaka, könne die Ursache sein. Auch neurologische Erkrankungen und Lähmungen könnten Impotenz verursachen. Bei jüngeren Männern könne das ein Symptom für eine Multiple Sklerose (MS) sein, sagt der Urologe.

Auch Rauchen, Alkoholgenuss, fetthaltige Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht könnten die Potenz stören.

Zur Untersuchung gehöre neben der Erhebung des Hormonspiegels im Blut auch eine Ultraschalluntersuchung, bei der die Durchblutung in den Schwellkörpern kontrolliert wird, die für die Erektionsfähigkeit nötig ist. (siehe Hintergrund)

Häufig kämen Patienten mit der Hoffnung auf schnelle Hilfe, berichtet Ambrosch. Doch Potenzmittel wie Viagra bedürften einer gründlichen Diagnose und der Kontrolle. Grund: Durch das Zusammenspiel mit anderen Medikamenten und Erkrankungen könne Viagra gefährlich werden.

Zu den ungefährlichen Nebenwirkungen zählten unter anderem Kopfschmerzen und geschwollene Nasenschleimhäute. Doch die gewünschte Wirkung stellt sich nach Darstellung des Urologen nicht allein durch das Medikament ein, nach wie vor gehöre eine sexuelle Bereitschaft dazu.

Sind die Nervenbahnen, verletzt, könnten lokal angewendete Medikamente, wie das Einbringen von Kapseln in die Harnröhre oder eine Injektion in den Schwellkörper eine Erektion bewirken.

Als mechanische Erektionshilfen wirken die Vakuumpumpe, die durch Unterdruck die Blutzufuhr in die Schwellkörper ermöglicht, und der Erektionsring, der den Blutabfluss behindert.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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