Schweinezähne und Mauerreste

55 Kinder graben beim Archäologischen Sommercamp

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Da wird richtig gearbeitet: Die Kinder des archäologischen Sommercamps auf der Gudensberger Obernburg sind mit Eifer bei der Sache. Sie graben, suchen, reinigen und zeichnen, manche führen ein Grabungstagebuch. Im Hintergrund der Lamsberg.

Gudensberg. Vivian (11) holt mit der Schippe aus und nimmt ein Stück dunkelbraune Erde auf. Mit Schwung landet sie in der Schubkarre. Derweil hat ihre Cousine Charleen (10) die Steine der mindestens 900 Jahre alten Mauer weiter freigelegt.

Immer wieder schauen die beiden Mädchen, ob sie etwas Interessantes entdecken bei ihren Grabungen auf der Obernburg.

Vivian, Feriengast aus den USA, war erfolgreich: Stolz zeigt sie ihr Fundstück dem Archäologen Dr. Eberhardt Kettlitz, der es sofort identifiziert: „Das ist der Unterkiefer eine Wildschweins, das erkennt man an dem Zahn hier vorne“, sagt er. Die früheren Bewohner der Burg ernährten sich halt hauptsächlich von der Jagd. Und Wildschweine mochten sie besonders gerne, das zeigen die zahlreichen Funde auf dem Burgareal.

Angebot in den Ferien 

31 Kinder zwischen 10 und 14 Jahren machen mit beim ersten archäologischen Sommercamp, das die Stadtjugendpflege Gudensberg als eines ihrer Ferienangebote organisiert hat. „In diesem Umfang machen wir das auch zum ersten Mal“, sagt Dr. Kettlitz, der bereits seit 2007 regelmäßig in und um Gudensberg an Ausgrabungen beteiligt ist.

Dabei erfuhr er, wie groß das Interesse der Menschen an den Ergebnisse der Archäologen ist. Warum nicht auch die Kinder dafür interessieren? Das war der logische nächste Schritt.

Der Schlossberg mit seiner Burgruine ist laut Kettlitz optimal für ein solches Ausgrabungs-Camp mit Kindern geeignet: Das Areal ist zum einen deutlich begrenzt, zum anderen sind die Mauerreste früherer Gebäude schon teilweise sichtbar beziehungsweise leicht freizulegen. „Das erleichtert die Arbeit und erhöht für die Kinder die Chance, tatsächlich etwas zu finden“, sagt der Archäologe.

Die Jungen und Mädchen, die von 9 bis 14 Uhr im Einsatz sind, haben jede Menge Spaß, spachteln vorsichtig, schieben Karren voller Erde zum Container, erfrischen sich zwischendurch und erfahren viel über das Leben auf einer Burg vor hunderten von Jahren.

Besser sichtbar 

Das Denkmalpflege-Amt musste die Grabungen selbstverständlich genehmigen und erhofft sich auch positive Wirkungen. Denn die Ausgrabungsstellen sollen gesichert und später sichtbar sein. „Das Denkmal Obernburg-Ruine wird dadurch besser erlebbar für Besucher“, sagt Dr. Kettlitz. Anhand der freigelegten Grundmauern sei dann deutlich zu sehen, wo früher Häuser gestanden haben.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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