Classic Brass glänzte mit königlicher und virtuoser Bläsermusik in der Stadtkirche

Schwelgerisches Blech

Königliche Blasmusik: Die Musiker von Classic Brass beim Konzert in Fritzlar von links Aleksandar Crnojevíc, Horn; Paolo Fazio, Trompete; Michael Engl, Tuba; Jürgen Gröblehner, Trompete und Marcel Reuter, Posaune. Fotos:  Auerbach

Fritzlar. Prunkvolle, dynamisch-fein abgestimmte Klänge schmetterten aus den versilberten und vergoldeten Klangtrichtern der blitzenden Messinginstrumente. In der gewaltigen Akustik der evangelischen Stadtkirche in Fritzlar bot Classic Brass den Zuhörern feinste Blasmusik aus fürstlicher Tradition des 16. bis 18. Jahrhunderts.

Classic Brass sind Paolo Fazio und Jürgen Gröblehner (Trompete), Aleksandar Crnojevíc (Horn), Marcel Reuter (Posaune) und Michael Engl (Tuba). Die Musiker begannen ihre Reise an die Fürstenhöfe in England mit William Byrds „The Earl of Oxford’s March“. Im lebhaften Hin und Her der Soli und Tutti zeichneten die Bläser ein typisches Klanggemälde der englischen Renaissance.

Lustfahrt auf der Themse

Aus dem Südwesten der Insel führte der Weg nach London zu einer Bootsfahrt auf die Themse. Die Lustfahrt, ursprünglich 1717 für die königliche Gesellschaft veranstaltet, konnten die Zuhörer nun nachvollziehen, denn Georg Friedrich Händels berühmte Wassermusik, 2. Suite D-Dur, sorgte damals wie heute für beste musikalische Unterhaltung.

Aufregend und melodiös klangen die lebhaften und langsamen Interpretationen aus Händels Werk. Vor allem die Trompeter waren gefordert. Sie schöpften die Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Instrumente voll aus und jubilierten kristallklar bis in höchste Höhen. Neue Fantasien konnten die Zuhörer nach dem Sprung an den Hof des sächsischen Kurfürsten entwickeln.

Imposant und üppig legten die Musiker die Kantate von Johann Sebastian Bach „Auf, schmetternde Töne der munteren Trompeten“ aus. Im Jahr 1726 war es Bach, der dem Fürsten anlässlich seines Namenstages mit dem Lobgesang huldigte. Einige Sätze aus Engelbert Humperdincks spätromantischem Märchen „Hänsel und Gretel“ wollten eigentlich nicht so Recht zum Motto des Konzerts „Royale Musik“ passen. Doch das störte niemand, denn die Bläser spielten kontrastreich erst einen kühnen „Hexenritt“ und kurz darauf den wundervollen „Abendsegen“.

Spielerische Leichtigkeit

Einen großartigen Glanzpunkt präsentierte das Quintett zu Beginn des zweiten Konzertteils: Händels triumphalen „Einzug der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Solomon“. In dem Werk thematisierte Händel die Begegnung der Königin der Sabäer mit dem König von Israel, die sich vor knapp 3000 Jahren in Jerusalem ereignet haben soll. Atemberaubend rasant und höchst ausdrucksvoll trugen die Musiker das Stück mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit vor.

Tief unten „In der Halle des Bergkönigs“ aus Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite Nr.1 ging das offizielle Programm im Presto und Fortissimo zu Ende.

Auf der Reise durch die Fürstenhöfe ließen die Musiker von Classic Brass ihr Blech schwelgerisch jubeln und kredenzten Musik, die etwas von der höfischen Klangwelt vergangener Jahrhunderte wieder spiegelte. Es war ein hinreißendes Konzerterlebnis in Fritzlar.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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