Vor allem Vermittler von Mietwohnungen betroffen

Schwere Zeiten für Makler: Besteller-Prinzip im Landkreis spürbar

Melsungen. Viele Makler im Schwalm-Eder-Kreis könnten in den kommenden Monaten in Schieflage geraten. Der Grund: das Besteller-Prinzip bei der Kostenübernahme von Maklerdienstleistungen.

Das sagt Björn König vom Immobilienbüro König mit Hauptsitz in Homberg voraus.

Betroffen seien aber primär solche Makler, die sich auf die Vermittlung von Mietwohnungen spezialisiert hätten. Deren Anteil liege etwa bei zehn Prozent. Nach Angaben des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) hat er 60 Mitglieder in Nordhessen. „Der Mietmarkt ist in ländlichen Regionen schwächer als in Großstädten und Ballungsräumen“, sagt König. „Vermietungen sind nicht unser Hauptgeschäft, sie sind allenfalls ein Zubrot.“ Geld werde mit dem Verkauf von Immobilien gemacht und dort gelte das Besteller-Prinzip nicht.

Im Landkreis hätten in der Vergangenheit bereits viele Eigentümer ihre Wohnungen selbst vermarktet. Der Anteil werde noch zunehmen.

Folker Gebel, Geschäftsführer des Mieterbundes Nordhessen, warnt vor einer anderen Entwicklung: Tricks, um das Besteller-Prinzip zu umgehen. Leidtragende werden dann wieder die Mietinteressenten sein. „Es gibt bereits einige dokumentierte rechtswidrige Umgehungsgeschäfte. Bei der Wohnungsvermittlung erhält der den Zuschlag, der am meisten für einen Einrichtungsgegenstand bietet oder vor der Haustür einer Wohnung aufgefordert wird, einen Auftrag oder Vertrag zu unterzeichnen. „Diese Umgehungen sind anfechtbar. Sie können den strafrechtlichen Tatbestand eines Betrugsveruchs erfüllen“, sagt Gebel. Es sei unklar, wie die Gerichte entscheiden, denn eine Rechtssprechung gibt es bisher nicht.

Grundsätzlich sei das Besteller-Prinzip überfällig gewesen: „Die Courtage für den Mieter war unverhältnismäßig hoch und stand völlig außer Relation.“ Er rate Mietern, höchstwahrscheinlich zu Unrecht geforderte Beträge zurückzufordern.

Quelle: HNA

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