Weil die Großmutter nicht mehr reisen kann

Schwerstkranke erlebte in Hospiz Taufe ihres Enkels

Erinnerungsfoto mit Täufling: Sven Schillmüller mit Lenz Kilian, Felix, Anna und Thomas Morawe, Pfarrer Michael Brüne und Günter Neul (von links). Sie feierten zusammen mit Familie und Gästen Lenz‘ Taufe im Hospiz. Fotos:  Rose

Gilserberg. Eine Taufe im Hospiz ist eher ungewöhnlich. Umso schöner wurde die Feier, die im Schwalm-Eder-Kreis möglich gemacht worden ist.

Felix (3) verteilt im Aufenthaltsraum Schlepper und Mähdrescher auf dem Boden. Zusammen mit seinem Cousin lässt er die Fahrzeuge über den blanken Boden gleiten. Im Arm von Papa Thomas Morawe (36) schläft sein Bruder – Lenz Kilian, drei Monate alt. Der kleine Junge soll heute getauft werden. Und zwar nicht in einer Kirche im Heimatort der Morawes, in Paderborn, sondern in Gilserberg – im Hospiz.

Hier lebt die Oma von Felix und Lenz, Anna Morawes Mutter Gertrud Henning (61). „Wir wollten ursprünglich in Paderborn taufen, haben uns aber spontan entschieden, die Taufe hier im Hospiz zu feiern, weil es meiner Mutter schlechter geht“, erklärt Anna Morawe (36). Eine Fahrt nach Paderborn sei zu anstrengend für seine Schwiegermutter gewesen, erklärt Thomas Morawe.

Gertrud Henning stammt aus dem von Gilserberg nur knapp zehn Kilometer entfernten Stadtallendorfer Ortsteil Wolferode. Hier lebte sie zusammen mit ihrem Mann, der dort Förster war. Die 61-Jährige leidet an einem Hirntumor. „Geistig nimmt sie noch alles wahr, ausdrücken kann sie sich nicht mehr“, erklärt ihre Tochter.

Im Hospiz sei man von der Idee einer Taufe begeistert gewesen, berichtet die Familie. Anna Morawe nahm Kontakt zum Treysaer Pfarrer Michael Brüne auf. „Ich finde die Idee ganz wunderbar. Man kann immer und an jedem Ort taufen“, sagt der katholische Geistliche.

Die Morawes sind am Tauftag selbst aus Paderborn angereist, eine festlich gedeckte lange Tafel haben sie im Aufenthaltsraum vorbereitet, sie mit Kerzen, Blumen und Kuchen geschmückt. Nach und nach treffen die Gäste ein, der Bruder von Thomas Morawe, seine Eltern, eine liebe Freundin der Familie, der Pate Sven Schillmüller. Die Atmosphäre ist entspannt, lächelnd beobachten die Gäste, wie Lenz Kilian sein Taufkleidchen angezogen bekommt – und lautstark protestiert.

Gemeinsam mit Günter Neul, Wahl-Gilserberger und stark engagiert in der Heilig-Geist-Gemeinde, bereitet Michael Brüne im Raum der Stille die Taufe vor. Es ist feierlich, Kerzen brennen, die Familie gestaltet den Gottesdienst liebevoll mit: Sie sprechen Fürbitten für Lenz Kilian, singen und beten. Der Täufling verschläft derweil den Höhepunkt – Brüne träufelt ihm Wasser aus dem Jordan über den Kopf und zündet die Taufkerze an.

Bei Kuchen und Kaffee sitzen Familie und Gäste später zusammen. „Es war ein sehr schönes Fest und ich bin glücklich, dass wir uns dafür entschieden haben“, sagt Anna Morawe später.

Quelle: HNA

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