Zum ersten August

Sechs Stunden Betreuung kostenlos: Kommunen zahlen bald für Kitaplätze drauf

Schwalm-Eder. Was die Eltern im Kreis freut, bereitet den meisten Kommunen mächtiges Kopfzerbrechen: Zum 1. August schafft die Landesregierung die Kindergarten-Gebühren ab.

Für sechs Stunden am Tag ist die Betreuung gratis. Das Land zahlt den Kommunen dafür 136 Euro pro Kind und Monat. Dabei deckt der Betrag häufig nicht die tatsächlichen Kosten.

In Ottrau erwartet Bürgermeister Norbert Miltz, dass sich dadurch das Defizit um etwa 400 000 Euro erhöhen wird. "Es werden Einnahmen wegfallen, zusätzlich wird mehr Personal nötig sein", sagt er. Miltz sieht das Land in der Pflicht: Hier müsse beim Konzept dringend nachgebessert werden. "Ich kann die Mehrkosten noch nicht beziffern", sagt Schwalmstadts Bürgermeister Stefan Pinhard. "Es wird eine organisatorische Herausforderung."

Freie Träger müssen Teile selbst zahlen

Das bestätigt auch Volker Feige, Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales bei der Stadt Fritzlar: "In Fritzlar gibt es keine einzige städtische Kita, sondern nur freie Träger. Aber mit denen sind wir im Gespräch, um die spärlichen Informationen zu den Plänen weiterzugeben."

Die freien Träger bekommen ebenfalls Geld vom Land, müssen aber Teile – in Hephata sind es 20, bei kirchlichen Trägern 10 Prozent der Kosten – selbst tragen. "Das Geld hätte man lieber in eine bessere personelle Ausstattung gesteckt", ist Anne Bertelt, Leiterin des Hephata-Kindergartens in Treysa, überzeugt.

Die Stadt Melsungen zieht ein positives Fazit: "Weil wir die Regelbetreuung bereits kostenfrei anbieten, trifft es uns positiv", erklärt Bürgermeister Markus Boucsein.

Auch Wabern wird profitieren: Durch den Zuschuss reduziere sich das Defizit von einer Million Euro etwas, erklärt Bürgermeister Claus Steinmetz. "Aber es wird sich im Bereich Personal eine zunehmende Konkurrenz unter den Kommunen ergeben."

Land stellt 44 Millionen Euro bereit

Ab dem 1. August 2018 zahlen Eltern nur noch für eine Betreuung in der Kita, die länger als sechs Stunden pro Tag dauert. Seit dem Jahr 2007 ist das dritte Kindergartenjahr für fünf Stunden beitragsfrei. Nach Angaben der schwarz-grünen Landesregierung würden Eltern vom Sommer an für drei Kindergartenjahre bis zu 5000 Euro sparen. Um die Gebührenfreiheit zu finanzieren, sollen für 2018 und 2019 zusammen 440 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Diese Summe setzt sich zu zwei Dritteln aus Landesmitteln und zu einem Drittel aus Mitteln zusammen, die aus dem Kommunalen Finanzausgleich kommen und eigentlich den Kommunen zustehen.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / Sebastian Kahnert/dpa

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