HNA-Interview: Pfarrer Michael Schümers über den Geist der Osternacht

„Seele wird gestreichelt“

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Osterkerze sorgt für Licht: Michael Schümers, Pfarrer in Spangenberg-Landefeld, präsentiert die aktuelle Osterkerze vor der Kirche in Metzebach.

Landefeld. Seit Michael Schümers Pfarrer in Landefeld ist, wird dort in der Osternacht Gottesdienst gefeiert – auch am morgigen Sonntag. Darüber sprachen wir mit ihm.

Wann stehen Sie in der Osternacht auf?

Michael Schümers: Um halb fünf. Wir werden unsere drei Kinder fragen, ob sie mit nach Metzebach zum Osternacht-Gottesdienst kommen wollen. Beim letzten Mal fanden sie es so spannend. Aber ob sie wirklich aufstehen, werden wir dann sehen.

Was ist denn das Spannende daran?

Schümers: Er beginnt im Dunkeln. Es gibt ein stilles Ankommen der Menschen, und damit verbunden ein ganz anderes Wahrnehmen der Gemeinschaft und des Kirchenraums. Die Dunkelheit des Lebens rückt in den Blick: Scheitern, Angst, Hoffnungslosigkeit. Und damit verbindet sich unser Leben mit der Ostergeschichte.

Was bedeutet die Osternacht aus christlicher Sicht?

Schümers: Die Jünger spürten Trauer, Zerknirschtheit und Hoffnungslosigkeit, als sie sich Jesu’ Grab nähern. Und dann waren sie überrascht und erschrocken von der Auferstehung. Im ältesten Evangelium, dem Markus-Evangelium, werden die Frauen am Morgen von einem Jüngling darauf hingewiesen, dass Jesus auferstanden ist. Und dann heißt es: „Die Frauen fürchteten sich und flohen.“ Sie konnten es erst nicht glauben. Das ist ein Stück Dramatik zwischen Zweifeln und Hoffen, das für uns Menschen gut nachzuvollziehen ist.

Warum wird der Gottesdienst so früh gefeiert?

Schümers: Seit dem 2. Jahrhundert wurde in der Osternacht gefeiert, um nachzuerleben, wie die Frauen ganz früh am Morgen zum Grab gingen. Im 4. Jahrhundert kamen Lichter als Zeichen des Neuen hinzu. Die Osterkerze wird in die Kirche getragen als Zeichen des Trostes und der Hoffnung auf neues Leben.

Was ist in diesem Jahr so besonders?

Schümers: Die Zeitumstellung ist eine Herausforderung, schließlich ist der Gottesdienst dadurch noch früher, weil die Uhr eine Stunde vorgestellt wird.

Was gibt das Erleben der Osternacht den Gottesdienstbesuchern?

Schümers: Viele kommen wegen der Stille, dem Wechsel von Schweren im Dunkeln zum Neuen, Hoffnungsfrohen. Das vollziehen sie selbst mit, denn sie sind dabei, wenn die Kirche durch das Anzünden der Kerzen heller wird. Viele sind seelisch berührt, gestärkt und werden getröstet. Die Osterfreude wirkt einfach ansteckend, kann die Seele streicheln. Da leuchtet eine andere, nämlich Gottes Wirklichkeit auf, obwohl natürlich trotzdem noch geweint und gestorben wird.

Manche Eltern lassen ihre Kinder in dieser Nacht taufen. Warum?

Schümers: Der Tauftermin zu Ostern steht für eine ganz besondere Verbundenheit zu Jesus Christus.

Dabei ist doch Weihnachten das Fest der Geburt Christi. Warum wird dann eher selten getauft?

Schümers: Weihnachten ist stark als Familienfest mit Baum, Festessen und Geschenken verbucht, da geht eine Taufe schnell unter. In der Osternacht erhält die Taufe einen ganz besonderen Raum: Karfreitag geht das Leben Jesu zuende, und Ostern wird das neue Leben mit Gott gefeiert. Auch Taufeltern wissen um die Verletzlichkeit des Lebens. Egal was kommt, sie hoffen auf den Schutz Gottes und vertrauen ihm das Kind an. Das verbindet sich mit der Osternacht besonders eindrücklich.

Wann haben Sie die Osternacht für sich entdeckt?

Schümers: Das war im Studium in Kiel. In meiner Heimatgemeinde war es keine Tradition. In Kiel war die Osternacht für mich ein geistlich erfülltes Erlebnis, das mich in meinem Berufswunsch gestärkt hat. Klar war: Wenn ich Gemeindepfarrer werde, dann möchte ich auch Gottesdienst in der Osternacht feiern.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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