Beim Hessischen Segelfliegertag berichtete Manfred Karb von seinen Alpenflügen

Segelfliegen als Therapie

Majestätisch: Mancher Flug über die Alpen wurde von Adlern begleitet. Fotos: 2 privat/1 Haaß 

Ziegenhain. „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...“ – unweigerlich wird man an die Zeilen aus dem bekanntem Lied von Reinhard Mey erinnert, wenn man dem passionierten Segelflieger Manfred Karb eine Weile zuhört. Mit leuchtenden Augen und einem verschmitzten Lächeln berichtete der 71-Jährige am Rande des Segelfliegertages in Ziegenhain von seinem bewegten Fliegerleben.

Seit 57 Jahren hat die Faszination Fliegen den Hasslocher fest im Griff. „Ganz zum Leidwesen meiner Frau und meiner Familie“, erzählte Karb mit einem Schmunzeln.

Auslöser für seine Begeisterung sei zunächst das technische Interesse gewesen, sagt er, und „natürlich der Traum, in die Luft zu kommen“. Mit 15 Jahren begann er mit dem Segelflug und wurde schon mit 21 Jahren Fluglehrer.

„Segelfliegen hat für mich den Reiz des Unbekannten. Man weiß nie, ob man das geplante Ziel auch erreicht oder einem das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht. Im Gegensatz zum Motorflug ist der Segelflug die größere Herausforderung, man muss ständig Grenzen ausloten,“ so der pensionierte Elektroingenieur.

Seit den 90er- Jahren kam zu dem Segelfliegen eine weitere Passion. Als begeisterter Gebirgsflieger war er schon immer von der Schönheit und Erhabenheit der Alpen fasziniert. Daher lag es nahe, beides zu verbinden. „Ich möchte die Schönheit der Natur, die ich selbst erlebt habe, mit anderen teilen und habe daher meine Flüge gefilmt.“ Für gute Aufnahmen muss der Hasslocher bis zu 15 Meter an die Felswände heranfliegen. Mit der rechten Hand filmt er, mit der Linken hält er das Steuer: „Ich fliege im wahrsten Sinne des Wortes also mit links.“

Dass der Segelflugsport im Gebirge neben seiner Faszination auch gefährlich sein kann, musste Karb 1998 bei einem Flugunfall am eigenen Leib erfahren. „Wäre die Bergrettung zehn Minuten später gekommen, wäre ich verblutet“, berichtete er von seinem bislang brenzligstem Erlebnis.

Als er im vergangenen Jahr an Lungenkrebs erkrankte, hatte die Fertigstellung des Films „Faszination Alpenflug“ einen großen Anteil an seiner seiner Gesundung. „Der Film hat mir Halt und Ziel geben, mich durch die schwere Zeit gebracht. Ich konnte aus der Arbeit Kraft im Kampf gegen den Krebs schöpfen“, erzählt Karb.

„Das Beste aus dem heutigen Tag machen“, so lautet Manfred Karbs Credo, welches den begeisterten Segelflieger sein Leben lang, auch während seiner Krebserkrankung, begleitete. Zunächst sollte der Film eine Art persönliches Vermächtnis vor allem für seine Kinder und Enkelkinder werden.

Als der Hasslocher aber merkte, dass auch andere von den beeindruckenden Filmaufnahmen begeistert waren, beschloss er, Kopien des Films gegen eine Spende zu verschenken. Insgesamt wurden so bislang 11 000 Euro für die Christoffel-Blindenmisson gesammelt. „Über 100 Kindern konnte mit diesem Geld das Augenlicht gerettet werden“ freut sich Manfred Karb.

Von Matthais Haaß

Quelle: HNA

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