Unterstützung für Flüchtlinge verbindet eine wachsende Zahl von Helfern in Neukirchen

Es ist in Segen für jeden

In der improvisierten Kleiderkammer: Pfarrerin Nora Dinges im evangelischen Gemeindehaus im Muhlsweg. Weitere Helfer wollten sich leider nicht ablichten lassen. Foto: privat

Neukirchen. Als die ersten Asylbewerber im Oktober in Neukirchen in der ehemaligen Gaststätte Justus Ruh einzogen, hielt es Pfarrerin Nora Dinges nicht lange. „Ich bin gleich hin, eine Frau übersetzte meine Frage danach, womit man helfen kann.“ Ein Mann in Badelatschen antwortete, dass Kinderspielzeug willkommen wäre. Die Pfarrerin versprach, so bald wie möglich wieder zu kommen. Jetzt, nur wenige Monate später, hat die Fürsorge und Anteilnahme am Leben der Fremden nicht nur an deren Leben einiges verbessert.

Diejenigen, die sich engagieren, spüren, wie viel durch die Arbeit zu ihnen zurück kommt. Pfarrerin Dinges erzählt freudestrahlend, dass sie einen solch positiven Schub wohl niemals in ihrer Laufbahn als Pfarrerin erlebt habe, „es ist wichtig für die ganze Stadt“. Man lerne sich sogar untereinander besser kennen.

Kreis von über 20

Über 20 Frauen und Männer der evangelischen Kirchengemeinde bilden inzwischen einen aktiven Kreis zur Unterstützung der Flüchtlinge. So wie Mechthild Pletsch. Die pensionierte Lehrerin gibt im Wechsel mit weiteren Mitstreitern Deutschunterricht. Es sei schön, dass sie da ist – diese schlichte, herzliche Botschaft bekam sie vor Kurzem zu hören und fühlte sich durchaus gerührt.

„Das ist wichtig für die ganze Stadt.“

Pfarrerin Dinges

Die Bereitschaft sich einzubringen sei vom ersten Moment an groß gewesen, berichtet Pfarrerin Dinges, die sogleich im Gottesdienst um Unterstützung gebeten hatte. „Es funktionierte wie im Schneeballsystem und unsere Gruppe wächst weiter.“

Da sich ein buntes Häuflein verschiedenster Leute zusammen getan hat, müsse nie einer alles erledigen, so sei die Arbeit besonders effektiv und interessant.

So kümmere sich der eine um Fahrdienste zum Sport, der andere um die Formalien für die Einrichtung einer Haltestelle bei Justus Ruh und wieder andere um die Ausgabe von Kleidung oder die Vermittlung von Möbeln.

Und das Flottmachen alter Fahrräder. Oder, wie vor Weihnachten, um die Ausrichtung einer Adventsfeier, an der dann Menschen von acht Nationen teilnahmen. Die meisten, die jetzt in Neukirchen leben, stammen aus Syrien, dem Kosovo, Eritrea und Albanien. Den Helfern kann es leicht passieren, dass sie mit entsetzlichen Schicksalen konfrontiert werden. Wie mit dem einer Frau, deren Mann in Syrien erschossen wurde.

Aber im Endeffekt seien es eben positive Empfindungen, die man teilt und weitergibt, sagt Pfarrerin Dinges, „es geht um die Begegnung, darum, das Gefühl des Willkommens zu geben – und Vertrauen“.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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