Sehnsucht nach Bratwurst: Schönauer weltweit für Botschaften im Einsatz

In der Ferne: Manfred Hund.

Schönau/ Ankara. Kenia, Nigeria, Russland, Libyen, Türkei: Manfred Hund aus Schönau ist in den vergangenen Jahren nur noch auf Stippvisite in seiner Heimat. Als Bundespolizist ist der 57-Jährige an vielen deutschen Botschaften eingesetzt.

Derzeit arbeitet er für vier Jahre an der Botschaft in Ankara. Der Vater zweier Kinder vermisst neben seiner Familie in der islamischen Kultur vor allem eins: „Eine schöne Bratwurst“.

Als der Schönauer vor einem Jahr in die türkische Hauptstadt abgeordnet wurde, erlebte der Schwälmer dort keinen Kulturschock: Zwischen Gilserberger Hochland und anatolischem Hochland hatte er schon an vielen Orten der Welt gewohnt. Zuvor im libyschen Tripolis.

Traf die Kanzlerin

An den Botschaften arbeitet Hund als so genannter Dokumentenberater. Er informiert und berät etwa zu Themen wie Visum-Angelegenheiten und dem Schengener Abkommen. Als Botschaftsmitarbeiter trifft der Schwälmer häufig auf deutsche Politprominenz. Bundespräsident und Kanzlerin schauten im vergangenen Jahr in der Vier-Millionen-Metropole Ankara vorbei. Innenminister de Maizière und Außenminister Westerwelle nahmen sich Zeit für einen Plausch mit dem Schönauer, der dem FDP-Ortsverband vorsitzt, dafür aber eigentlich keine Zeit mehr hat.

Seine Zeit in Ankara nutzt der Bundespolizist auch zum Entdecken der Kultur. Das sei in Ankara schnell erledigt. „Es ist eine reine Büro- und Beamtenstadt mit wenigen touristischen Attraktionen. Aber es ist mir wichtig, das Land kennenzulernen, in dem ich bin“, sagt Hund. Sein Türkisch reicht bislang nur für eine Bestellung im Restaurant, aber in der Botschaft werde ohnehin viel Englisch gesprochen.

Wenn die Sehnsucht nach Deutschland groß wird, hilft ihm ein Besuch im Fußballlokal FC Stiefel, das von Deutschen betrieben wird. Hund schwärmt noch immer vom jüngsten Oktoberfest-Abend in seiner Stammkneipe.

2200 Kilometer weit weg

Den Kontakt in die 2200 Kilometer Luftlinie entfernte Heimat pflegt der Schwälmer. Über Internet und Handy hält sich der frisch gebackene Opa auf dem Laufenden: über den Enkel und was sonst so los ist in der Schwalm.

Manche Dinge gehen aber auch an ihm vorbei. „Ich habe gerade zum ersten Mal die Lebensgefährtin meines Sohnes gesehen. Sie sind seit einem Jahr zusammen.“, sagte er bei seinem Kurzbesuch in Schönau zwischen den Jahren.

Noch für knapp drei Jahre hat Manfred Hund seinen Lebensmittelpunkt in der Türkei. Am 21. September 2013 ist dann der Tag gekommen, auf den sich der viel Gereiste freut: Der Ruhestand. Vielleicht wartet dann - trotz Bratwurst - der erste Kulturschock auf ihn: „Er muss sich sicher erst daran gewöhnen, länger als ein paar Tage zuhause zu sein“, sagt seine Frau Rita (54).

Von Bastian Ludwig

Quelle: HNA

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