Hinter Schloss und Riegel: JVA-Insassen stellen Werke im Museum der Schwalm aus

Sehnsucht ist sichtbar

Gefängnis zerstört Beziehungen: So heißt diese Metallkonstruktion, die Museumsleiter Helmut Schwalm, Dekan Christian Wachter und Anstaltsleiter Jörg Bachmann (von links) zeigen. Foto: Rose

Ziegenhain. Hinter Schloss und Riegel: So heißt eine neue Ausstellung, die ab sofort im Museum der Schwalm in Ziegenhain zu sehen ist. Sie zeigt Kunstwerke von Insassen der JVA. Mit der Schau realisiert das Museum die dritte Ausstellung in 24 Jahren, bei der Malerei, Holz-, Metall- und Keramikarbeiten gezeigt werden. Die Kunst aus dem Knast weckte bei vielen die Neugier: Zur Ausstellungseröffnung war Kunstkabinett gut besucht.

Laudator war Dekan Chistian Wachter, Thomas Klein sorgte für Klaviermusik.

Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten – diese Zeilen eines bekannten Volksliedes zitierte Wachter bei seiner Einführung. „Diese Ausstellung ist eine dialogische, weil sie uns die Gedanken von Männern hinter Mauern näher bringt“, erklärte der Dekan. Obwohl ihnen der Kontakt nach außen versperrt sei, drängten durch ihre Werke doch ihre Lebensäußerungen zu uns herüber. Man denke über den Menschen dahinter nach: „Es sind Mörder, Betrüger, Verbrecher – aber auch Väter, Söhne, Ehemänner.“ Die Ausstellung gebe keinen Einblick in ihre Personalakten, sondern in ihre Kunstfertigkeiten.

Handwerkliche Kunst

Die handwerkliche Kunst, die uns hier begegne, rege zu Gesprächen an, wie etwa die metallene Konstruktion einer Waage. „Man denkt an die Justitia, aber auch an die Frage, was die eigene Schuld wiege“, verdeutlichte Wachter. Weiterhin bediente sich der Dekan eines Zitates des Künstlers Paul Klee: „Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“

Viele Bilder transportierten Sehnsüchte. „Das Segelschiff symbolisiert, was treibt mich und wo treibt es mich hin“, erläuterte Wachter. Und bei der naiven Szene eines Hauses mit wunderschönem Garten falle das fein säuberlich verriegelte Gartentürchen auf. „Hinter dem geschlossenen Riegel öffnet sich der weite Raum der Impressionen, Gefühle und Gedanken“, sagte der Laudator.

Für die Insassen habe diese künstlerische Ausdrucksform eine ordnende, reinigende Wirkung, der den Staub des Alltags von der Seele wasche – so habe es einst Picasso ausgedrückt, erklärte Wachter.

Anstaltsleiter Jörg Bachmann freute sich über die große Resonanz: „Diese Ausstellung trägt ein Stück Gefängnis nach draußen – die Insassen werden von der Bedeutung ihrer Werke erfahren und dass sie nicht nur einen materiellen Wert haben.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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