HNA-Markt: Seiden aus dem Fernen Osten

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Wertvolle Handwerkskunst: Karlheinz Schmiedel ist stolz auf seine Sammlung mit kostbaren Stoffen und Seidenstickereien aus dem Fernen Osten.

Karlheinz Schmiedel (83) ist oft und weit gereist: Nach Touren durch fast alle Länder Europas und Nordamerika zog es ihn vermehrt auch in den Fernen Osten, nach Usbekistan, Laos, Thailand, Burma und Kambodscha.

In Usbekistan folgte Schmiedel den Spuren Marco Polos auf der legendären Seidenstraße von Taschkent über Buchara nach Samarkand. „Hier hat der wohl schönste Platz der Welt – der Registan – einen großen Eindruck auf mich gemacht“, erzählt der Weitgereiste. Höhepunkt dieser Reisen war der gewaltige Tempelbezirk von Angkor Wat in Kambodscha.

In Thailand besuchte Schmiedel den äußersten Nordwesten des Landes, den Isan, wo in den entlegenen Dörfern noch heute auf uralte Weise Seide gewonnen und verarbeitet wird. Man staune, dass trotz der ärmlichen Landschaft hier herrliche Seiden gewebt würden, berichtet der Willingshainer. Die Webstühle seien seit Generationen in der Familie: „Sie erscheinen dem Westler primitiv, doch die Mädchen und Frauen zaubern darauf herrliche Kunstwerke“, erzählt Schmiedel. Eine spezielle Webart im Isan heißt Khit.

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HNA-Markt: Seiden aus dem fernen Osten

Ebenso gepflegt wird eine besondere Art des Färbens: das Ikat. Das Wort stamme aus Indonesien und bedeute so viel wie „horizontale Streifen“, sagt der 83-Jährige. Bei dieser Technik würden die benötigten Fäden gebündelt und an mehreren Stellen fest umwickelt. Beim Eintauchen in das Farbbad würden eben diese Stelle nicht gefärbt. „Sie bleiben hell oder erhalten in weiteren Arbeitsschritten einen anderen Farbton.“ Während in Thailand solche Gewebe meist als Wandschmuck verwendet werden, ist Ikat in Usbekistan eine bevorzugte Kleidermode. „Die knallbunten Gewänder der Frauen haben einen besonderen Reiz“, erläutert Schmiedel.

Suzani – asiatische Seidenstickerei

Ein typisches Erzeugnis aus Usbekistan sei die Suzanistickerei, persisch „suzan“ steht für Nadel. Nach der Geburt eines Mädchens beginne die Mutter mit der Herstellung von großen Tüchern, die auf eigene Art bestickt würden. „Die Muster werden in der Familie vererbt“, erklärt der Sammler. Später beteiligten sich die Töchter an der Arbeit. Bis zur Hochzeit müssten zehn Tücher fertig gestellt sein. Darunter sei auch das Brauttuch für die Hochzeit, Ruidscho genannt. In Schmiedels Sammlung gibt es ausgesuchte Beispiele dieser einmaligen Kunst.

Zu den wertvollen Stoffen gehören auch Zeltbänder, genannt Sardewar. Sie sind in Zelten oder Wohnungen an den Wänden befestigt. Ihre Nischenfelder geben die Breite eines Sitzplatzes vor. Erinnerungsstücke aus Nordthailand sind Kalaga: „Sie stammen aus Burma und sind Wandschmuck“, erläutert Schmiedel. Auf Seidenstoffen würden Motive aus der Geschichte oder Tierkreiszeichen mit Kapok unterfüttert und mit Pailletten, Glasperlen und verdickten Knoten oder Fäden bestickt.

Zu all diesen Preziosen hat der Sammler Sachliteratur erworben, um die Fundstücke kennenzulernen. Jetzt will sich der 83-Jährige von einigen museumsreifen Stücken trennen und sie an Liebhaber weitergeben, die das Kunsthandwerk entsprechend würdigen. (zsr)

Quelle: HNA

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