Urgestein auf dem Sportplatz 

Heinrich Thiel ist fast 50 Jahre als Ehrenamtler beim SV Seigertshausen aktiv

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Platzwart aus Berufung: Der 78-jährige Seigertshäuser Heinrich Thiel kümmert sich seit Jahrzehnten um die Spielfeldpflege.

Seigertshausen. Heinrich Thiel steht für den SV Seigertshausen. Der Ehrenamtler wurde bereits vom DFB ausgezeichnet und ist nur durch einen Zufall zum Fußball gekommen. 

Wer mit Heinrich Thiel auf das Seigertshäuser Sportgelände geht, merkt schnell: Der 78-Jährige kennt hier jede Ecke, jeden Grashalm. „Das ist mein zweites Wohnzimmer. Ich gehe fast täglich hierher“, erzählt Thiel, während er das 45 Jahre alte Streugerät und den Rasenmäher begutachtet, den er etwa 30 Mal im Jahr zum Mähen braucht. Eine der vielen Aufgaben, die der Ehrenamtliche für den SV Seigertshausen übernimmt.

In seiner 49-jährigen Vereinsmitgliedschaft gab es jedoch auch weitaus größere Projekte: Den Bau des Vereinsheims 1972 und dessen Erweiterung unterstützte Thiel ebenso leidenschaftlich wie das Anlegen des Trainingsplatzes in eigener Regie. Das in diesem Jahr anstehende 50-jährige Vereinsbestehen wäre ohne den gebürtigen Christeröder, der für seine ehrenamtliche Tätigkeit vor 21 Jahren die Ehrennadel in Bronze vom damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun erhielt, wohl undenkbar.

Engagement als Jugendleiter

Denn nicht nur als tatkräftiger Bauhelfer prägte das Urgestein den Verein, sondern auch durch sein Engagement als Jugendleiter. Darüber hinaus ist der Rentner allerorten als Sportplatzwart bekannt. „Ich wurde nie gewählt, sondern kümmere mich seit Jahrzehnten freiwillig um die Spielfeldpflege. Wichtig ist mir die Jugend“, erklärt Thiel, der besonders den Betreuermangel im Verein anprangert. 

Und deshalb im vorigen Jahr sogar seine Ordnungsarbeit, die ihm vor allem Klaus Lingemann sowie der erste Vorsitzende Dieter Siebert, Kassierer Jürgen Peter und Bürgermeister Klemens Olbrich erleichtern, beenden wollte. Nach Gesprächen änderte Thiel sein Vorhaben, weil er seinen Wunsch nach einer besseren sportlichen Zukunft – abgesehen von der aufstrebenden SV-Damenmannschaft – noch nicht als erfüllt ansah. 

Talent im Springreiten

Kurios: Ursprünglich hatte Thiel kein übermäßiges Interesse am Fußball. Vielmehr gehörte er als Jugendlicher zu den größten Talenten in einer anderen Sportart – im Springreiten. Daher kam das spätere Engagement beim Kreisligisten eher zufällig zustande. Als 1970 eine SV-Schülermannschaft einen Betreuer in Niedergrenzebach suchte, übernahm er das Team.

Die Aufgabe bereitete ihm so viel Spaß, dass er unzähligen Jugendgenerationen das Fußballspielen beibrachte. Was aufgrund eines in jungen Jahren erlittenen Arbeitsunfalls umso bemerkenswerter ist.

Mit Sebastian Schmeer (derzeit KSV Hessen Kassel) hatte Thiel einen ehemaligen Profifußballer unter seinen Fittichen. Auch nachdem er vor zehn Jahren seine erfolgreiche Jugendarbeit beendete, blieb der Seigertshäuser seinem Verein treu. Neben Reparaturen im Vereinsheim schuftet der ehemalige LKW-Fahrer gerne im Garten und im Haus, in dem er mit seiner Frau Margarete und Enkel Maximilian zusammenlebt. Und das passenderweise nur wenige hundert Meter entfernt liegt vom Sportgelände – seinem zweiten Wohnzimmer.

Quelle: HNA

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