Urteil wegen Steuerhinterziehung

Seine Gier war zu groß: 50-Jähriger muss in Haft

Kassel/Schwalm-Eder. Zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten hat das Kasseler Landgericht einen 50-jährigen Autohändler aus dem nördlichen Schwalm-Eder-Kreis verurteilt.

Er wurde für schuldig befunden, beim Import von etwa 250 Autos aus Tschechien im vergangenen Jahr rund 820.000 Euro Umsatzsteuer hinterzogen zu haben.

Wegen zahlreicher früherer Betrugsdelikte im Autohandel hatte er bereits fast sieben Jahre im Wehlheider Gefängnis abgesessen.

Staatsanwalt Fabian Ruhnau hatte in seinem Plädoyer geradezu ungläubig auf die kriminelle Karriere des 50-Jährigen geschaut, der immer wieder Autos mit ungedeckten Schecks bezahlt hatte, sogar unmittelbar vor Antritt langer Haftstrafen. „Sie müssten das doch mal kapiert haben“, meinte der Ankläger. Tat der aber nicht: Nur drei Monate nach fast sieben Jahren im Knast war er erneut straffällig geworden, so dass eine Bewährungsstrafe widerrufen werden musste. Vier Jahre und drei Monate hielt Ruhnau deshalb für die neuen Straftaten für angemessen.

„Völlig überfordert“ 

Verteidiger Jörg Söder aus Gudensberg beschrieb seinen Mandanten als völlig überfordert: „Seine kriminelle Energie war nicht so groß wie seine Dummheit“, sagte Söder. Er sei sich nicht über die „Zeitbombe“ klar gewesen, die in den von ihm unterschriebenen Rechnungen gelauert habe.

Der 50-Jährige hatte 2013 rund 250, in Tschechien besonders preisgünstige Autos, meist Skoda-Modelle, von seiner tschechischen Freundin kaufen lassen und nach Deutschland eingeführt. Dort verkaufte er sie mit einem Provisions-Aufschlag von 400 bis 700 Euro pro Auto an verschiedene Autohäuser weiter. Meist schrieben die sich selbst eine Rechnung dafür aus, schlugen 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den Kaufpreis und ließen sie vom Angeklagten unterschreiben. Die Rechnungen wiederum legten sie dem Finanzamt vor und ließen sich so insgesamt 820.000 Euro Vorsteuer erstatten.

Verteidiger Söder: „Meinem Mandanten war überhaupt nicht klar, dass er für die ausgewiesene Umsatzsteuer haftet.“ „Sie sind sehr hartnäckig und haben einfach immer weiter gemacht. Das ist schon sehr keck“, kommentierte Richter Winter die lange Vorstrafenliste des Angeklagten. „Ihre Gier war größer als der Wunsch, ein rechtschaffenes Leben zu führen“, warf Winter dem Angeklagten vor.

Positiv legte das Gericht dem voll geständigen Angeklagten dessen umfassende Kooperation mit den Steuerbehörden und den Strafverfolgern aus.

Dies helfe dabei, dass die Autohäuser in Bayern, Brandenburg und Kassel die zu unrecht kassierte Umsatzsteuer ans Finanzamt zurückzahlen müssten und auch die eigentlichen Proviteure des Geschäftes strafrechtlich verfolgt werden könnten.

Verzicht auf Revision

Der Angeklagte nahm das Urteil mit resigniert hängenden Schultern an und verzichtete noch im Gerichtssaal auf eine Revision. Vom Autohandel wolle er künftig die Finger lassen und sich um Freundin und Tochter kümmern, versprach der gelernte Kfz-Mechaniker. „Ich will wieder in den Spiegel gucken können“, sagte er zerknirscht.

Von Thomas Stier

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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